Border Allein Podcast · Folge vom 24. September 2026
Manchmal vermisse ich das Chaos, aus dem ich unbedingt raus wollte – warum wir alte Muster, Menschen und Lebensphasen vermissen, obwohl sie uns nicht gutgetan haben
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Worum es in der Folge geht
Manchmal vermisse ich das Chaos, aus dem ich unbedingt raus wollte
Es gibt Dinge im Leben, von denen man jahrelang hofft, dass sie endlich vorbei sind.
Krisen. Streit. Unsicherheit. Dauerstress. Alte Beziehungen. Alte Muster. Alte Versionen von uns selbst.
Und dann sind sie irgendwann tatsächlich weg.
Eigentlich müsste sich das gut anfühlen.
Eigentlich.
Denn manchmal passiert etwas völlig Widersprüchliches:
Du vermisst plötzlich genau das, aus dem Du unbedingt raus wolltest.
Und dann stellt sich eine unangenehme Frage:
Warum vermisst man etwas, von dem man ganz genau weiß, dass es einem nicht gutgetan hat?
In dieser Folge spreche ich sehr persönlich darüber, warum Chaos nicht nur belastend sein kann, sondern manchmal auch Struktur, Identität und Intensität gibt.
Wenn jahrelang immer irgendetwas gelöst werden musste, wenn ständig ein Problem da war, wenn man immer kämpfen, reagieren oder funktionieren musste, dann entsteht daraus irgendwann mehr als nur eine schwierige Lebensphase.
Es entsteht eine Rolle.
Der Problemlöser.
Der Kämpfer.
Derjenige, der alles aushält.
Derjenige, der gebraucht wird.
Und was passiert eigentlich, wenn diese Rolle plötzlich nicht mehr gebraucht wird?
Was passiert, wenn das Leben ruhiger wird?
Wenn nicht mehr jeden Tag irgendwo Feuer brennt?
Wenn Stabilität da ist – aber sich Stabilität noch gar nicht vertraut anfühlt?
Vielleicht vermissen wir dann gar nicht das Chaos.
Vielleicht vermissen wir die Intensität.
Vielleicht das Adrenalin.
Vielleicht Zugehörigkeit.
Vielleicht das Gefühl, wichtig zu sein.
Vielleicht die Version von uns selbst, die wir in genau diesen Situationen waren.
Und genau da wird es spannend.
Denn Entwicklung bedeutet nicht nur, etwas zu gewinnen.
Entwicklung bedeutet manchmal auch, etwas zu verlieren:
alte Rollen.
alte Gewohnheiten.
alte Menschen.
alte Reaktionsweisen.
alte Identitäten.
Und vielleicht darf man genau das sogar vermissen.
Ohne zurückzugehen.
In dieser Folge geht es deshalb auch um Beziehungen, alte Dynamiken und die Frage, warum sich etwas Vertrautes oft sicher anfühlen kann – obwohl es uns objektiv nicht guttut.
Warum denkt man manchmal an einen Menschen zurück, obwohl man genau weiß: Ich will diese Beziehung nie wieder?
Warum erzeugen wir manchmal neue Unruhe, obwohl wir uns jahrelang nach Ruhe gesehnt haben?
Und wo liegt der Unterschied zwischen echtem Vermissen und dem Vermissen eines Gefühls, das wir mit einer früheren Lebensphase verbunden haben?
Diese Folge ist keine Romantisierung von Chaos.
Ganz im Gegenteil.
Sie ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, was Veränderung wirklich kostet.
Und vielleicht ist eine der erwachsensten Formen von Entwicklung genau das:
Etwas vermissen zu können und trotzdem zu wissen, dass es nicht mehr zu Deinem Leben gehört.
Wenn Du Dich in diesem Thema wiedererkennst, hör die Folge bis zum Ende.
Und stell Dir danach nur eine Frage:
Was vermisse ich eigentlich wirklich?
Die Person?
Die Situation?
Die Intensität?
Oder die Version von mir, die ich damals sein musste?
Nicht alles, was sich vertraut anfühlt, gehört noch zu Deinem Leben.
Manchmal ist Entwicklung eben auch, etwas zu vermissen – und trotzdem weiterzugehen.
— Sven
Co;Gether
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Automatisch erstellt und leicht bereinigt (Werbehinweise gekürzt). Kleine Hörfehler sind möglich.
Einen wunderschönen guten Tag, meine Damen und Herren. Mein Name ist Sven aka BorderAline. Und ich stelle mir die Frage heute, warum vermisst man etwas, von dem man genau weiß, dass es einem irgendwann nicht gut getan hat oder hat? Und manchmal vermisst man auch dieses Chaos, aus dem man unbedingt heraus wollte. Warum das so ist? Nach dem Intro. So, einen wunderschönen guten Tag. Also, dem Intro nach zu urteilen, keiner muss Angst haben, dass ich wieder in alte Gefilde zurückgehe oder zurück möchte, sondern eher so, manchmal vermisst man Dinge einfach, die einem unheimlich gut getan haben.
Dachte man jedenfalls irgendwann mal. Und eigentlich ist man ja seit Jahren froh, dass man den ganzen alten Rotz irgendwo so hinter sich gelassen hat. Und irgendwie ist das ein Widerspruch in sich. Aber, ich glaube, das ist gar nicht so unnormal, dass man Dinge aus einem, wie soll ich sagen, aus einem alten Leben vermisst, wo man genau weiß, boah, Digga, die hätten auch deinen Untergang bedeuten können. Die hätten auch deinen Untergang bedeuten können. In meinem alten Leben, guck mal, ich sag mal, in meinem alten Leben, da war irgendwie immer irgendetwas zu lösen.
Ihr alle kennt meine, oder die meisten von euch kennen meine Geschichte. Und man hatte immer irgendwas zu lösen. Krisen, es gab die Klinik, Beziehungen, auch der ganze Anfang, als ich mit Border Allein angefangen habe. Und natürlich noch, ganz, ganz weit vorher, so in der etwas kriminelleren Phase, es gab immer irgendwas zu lösen. Es war immer irgendetwas los. Sei es irgendein Problem, ein Konflikt, irgendeine ganz wichtige Sache, die man lösen musste, wo man immer so on point sein musste. Und wenn es ein nächster Kampf war, egal in welcher Form.
Und diese Intensität von damals, also das ist jetzt hier keine, das soll jetzt hier nicht irgendwie romantisch klingen, oder so, ganz im Gegenteil, sondern diese Intensität von damals war ja eine Art von Struktur, die ich hatte. Weil Struktur ist Struktur. Grundsätzlich erst mal. Und die kann man jetzt im Nachgang negativ bewerten oder positiv bewerten, je nachdem. Aber es war immer irgendwas los. Du wusstest nicht so genau was, aber es war immer irgendwas los. So, und das waren meine Strukturen. Und seinerzeit, wenn ich jetzt mal so 5, 6 Jahre zurückdenke, wenn ich mal so 20 Jahre zurückdenke, und auch dazwischen, irgendwie war immer was los, und diese Struktur tatsächlich hinterfrage, dann denke ich mir so, boah, Digga, ist dein Leben jetzt langweiliger?
Ist dein Leben jetzt einfach langweilig und schnöde und öde, weil du nicht mehr der bist, der du damals warst? Weil, guck mal, früher, ich nenne euch mal ein Beispiel. Ich nenne euch einfach mal ein Beispiel. Und zwar gab es seinerzeit zum Beispiel, boah, was nehme ich denn da mal, gab es etwas Stress mit einem, ich sag mal, rivalisierenden Pendant zu uns. Kann man das so ausdrücken? Ja. Das kann man jetzt eine kleine Krise nennen, das kann man jetzt einen kleinen Disput nennen. Es gab auf jeden Fall ein Problem. So, okay, wie lösen wir das?
Wir waren damals schon, und das ist mir heute erst klar geworden, wir waren damals schon Problemlöser. Wir hätten damals schon sagen können, alles klar, wir gehen in die Industrie, wir lösen hier jedes Problem, weil wir haben jedes Problem irgendwie gelöst. Die Wahl der Mittel, die will ich hier überhaupt nicht terrorisieren und die werde ich auch nicht großartig ansprechen, aber wir haben ein Problem gelöst, in dem es Probleme auf der Straße gab. Sagen wir es mal ganz vorsichtig und da wurden Pläne geschmiedet, da wurden Pläne geschmiedet, Punkt genau, Punkt genau, abgetimt.
Hier so, Uhrenvergleich. Hier auf der schönen Rolex, nein, ist keiner, Quatsch, oder vielleicht doch und die hat man gelöst und zwar in einem kleinen Team. Warum in einem kleinen Team? Weil dieses kleine Team das Team war, was die Köpfe darstellte, sag ich mal. Das Team, was dafür verantwortlich war, dass der nicht nur, dass der Rubel rollt, sondern dass die ganze Maschinerie irgendwie rollt. Und wir haben in dieser Zeit eine wahnsinnig intensive Struktur gehabt. Jetzt sitzt du heute, sitzt du hier und denkst so, wo, wo, was mache ich denn heute überhaupt?
Oh, ich habe ein Portal erschaffen, eine Plattform erschaffen. Ich bin zu einer Milliarde Prozent davon überzeugt, dass ich ohne die Strukturen von damals niemals die Strukturen von heute hätte. Und guck mal, jahrelang hatte ich Struggle. Ich will nicht sagen, dass ich den nicht mehr habe, um Gottes Willen. Aber jahrelang hatte ich Struggle und auf einmal wird das ruhig. Man hat auf eine gewisse Stabilität hingearbeitet und das kann man jetzt in ganz viele Bereiche, kann man das aufgliedern, die aber immer wieder zu einem Bereich zusammenlaufen.
Ich habe jahrelang Struggle gehabt und dann war es ruhig. Ich hatte meine Stabilität irgendwann wieder erlangt vor gar nicht allzu langer Zeit. Und dann kamen auf einmal keine täglichen Katastrophen mehr, kein Dauerfeuer, auch kein, kein entweder permanenter Feind oder ein, wie soll ich sagen, ein sich eingebildeter Feind, ein quasi schon fast paranoider Feind, den man sich irgendwie, wenn du dich den ganzen Tag umdrehst und guckst, ob du verfolgt wirst und so weiter und so fort, das kann schon mal so ein bisschen was mit deinem Kopf machen.
Und manchmal fühlt sich diese Ruhe an wie die Ruhe vor dem Sturm. Die ist dann nicht friedlich. Die ist eher so, die ist fremd. Die ist fremd, die fühlt sich leer an, weil du irgendwie davon ausgehst, das bleibt nicht so. Und hör mal, hello, wenn nicht andere dafür sorgen, dann war ich immer der, der Unsicherheitsfaktor, der dafür gesorgt hat. In meinen Augen bin ich aber kein Unsicherheitsfaktor mehr, sondern treffe meine Entscheidung schon ziemlich bewusst. Und alleine dadurch gab es viele Ruhen oder Ruhenphasen oder die werden immer mehr, sagen wir es so.
Das Gleiche betrifft aber auch Zustände. Wenn ich das jetzt aus diesem ganzen Drumherum, ich habe euch das ganz bewusst etwas dramatisch dargestellt, weil auch die Zustände sind ja weg. also also weg, weg fast. Und erst mal Kaffee. So. Und den Braten, die traut man nicht. Dieser Ruhe, die man im Kopf hat, nennt es von mir aus auch Gelassenheit, nennt es von mir aus auch eine Schärfung oder eine Klarheit. Die fühlt sich bedrohlich an. Und ich glaube jeder, sei es ein Psychologe, sei es ein Psychiater, sei es ein Coach, sei es ein Lehrer, sei es ein was weiß ich nicht noch, der wird das bestätigen können, wenn er ehrlich zu sich ist.
Und das Chaos von damals war so vertraut, wie diese Ruhe es jetzt nicht ist. Und deswegen fühlt sich diese Ruhe oftmals falsch an. Die Tage, ganz kurzes Beispiel, Scheltes an meiner Tür. Und ich habe an meiner Tür so ein Glasfenster eingebaut, so ein, so ein, Gott weiß ich, was das hier ist, so ein Sech… x-fach Panzerstahl, wo du nicht durchschießen kannst, Panzerglas. Nein, Quatsch. Und da draußen waren zwei Leute. Zwei schlanke, große Leute mit Handy. Alter Falter. Da hattest du mich aber hier sitzen. Früher, ich, äh, früher, früher, früher, vor zwei Wochen ungefähr, hätte ich damit noch ein Riesenproblem gehabt.
Also früher hätte ich auf jeden Fall ein, eine Stahlcheckkarte in der Hand gehabt, weil ich diese Situation so ohne weiteres als nicht normal empfunden hätte. So. Ich schellte das. Und ich hab gemerkt, wie ich komplett entspannt war. Weil ich hab ganz kurz abgefragt, mein Gott, hast du Scheiße gebaut? Nee. Dann mach die Tür auf. End vom Lied war, es waren zwei Freunde von meinem Sohn. Der eine hatte noch sein Handy in der Hand. Und dann kam so ein innerliches Gut gemacht. Und dann setzte ich hier wieder hin. Die beiden Jungs sind hochgegangen zu meinem Sohn.
Und denkst so, das war jetzt aber eine sehr ruhige Angelegenheit. Die kam mir aber falsch vor. Weil meine Muster früher komplett andere waren. Komplett andere Muster als das, was hier an dieser Haustür in diesem einen Moment halt passiert ist. Wenn ihr versteht, wie ich das meine. Da stellt man sich die Frage, wieso fühlst du dich eigentlich falsch? Du hast keine Katastrophen mehr. Du hast dieses, wie vorhin erwähnt, dieses Dauerfeuer, diese Feinde. Also der einzige Feind, der mir einfällt, den ich noch haben könnte, bin ich selber.
Und selbst der schweigt. Aber diese Stabilität, die ich habe, die ich definitiv habe, und das weiß ich auch, die wirkt aber nicht automatisch vertraut. Und das ist das Irrsinnige an der Sache. Weil wer bin ich ohne Krise? Ich meine, Leben lang, ich meine, ich bin jetzt ein paar Jahre alt und hatte mein Leben lang Krisen. Habe ich vielleicht irgendwo einen Teil oder einen Großteil meines Selbstwertes vielleicht daraus gezogen, dass ich diese Krisen immer wieder durchlebt habe und die daraus entstehenden Probleme immer wieder lösen zu können?
Ich hätte die Probleme ja nicht haben müssen. Und wenn man gefühlt, kommen wir wieder ein Stückchen zurück, jahrelang ein Problemlöser war, wer ist man dann heute, wenn es diese Art von Problemen nicht mehr zu lösen gilt? Habe ich noch denselben Selbstwert, den ich früher zumindest dachte, dass ich ihn habe? Und wer bin ich jetzt? Und das sind Fragen, die ich mir sehr, sehr häufig stelle. Das sind Fragen und da will ich gar keine Diagnose drüber stellen, weil ich denke da einfach mal laut drüber nach. Die haben nichts mit Borderline zu tun, die haben nichts mit keine Ahnung was zu tun, sondern die haben was damit zu tun, mit dem, wie ich mein Leben gelebt habe.
Und ich bin ja heute ein Verfechter davon zu sagen und das meine ich ernst, ist scheiße, dass ich ein Trauma habe. Oder ganz viele Traumata, ist scheiße. Ist so, kann ich nicht mehr ändern. Kann ich nicht ändern? Habe ich mich wieder auseinandergesetzt, habe ich verabschiedet, die habe ich laufen lassen. Aber wer bin ich dann unterm Strich, wenn ich diese ganzen Probleme, die Traumata, ein großes Trauma, wenn ich die einfach so laufen lasse, dann habe ich ja dieses Chaos in meinem Kopf, habe ich ja gar nicht mehr so dringend und so präsent, dann verliere ich ja quasi meine alte Rolle, die ich gelebt habe, geliebt habe wahrscheinlich sogar, auf die ich mich berufen habe, mit der ich mich entschuldigt habe, also die alte Rolle Sven quasi, der größte Anteil in mir.
Und das ist genau so zu sehen, wie ich das sage. Der größte Anteil von mir war ja der, der sich entweder auf irgendwelche Dinge berufen hat, die ihn angehen, oder ich habe ja immer die Probleme anderer gelöst, aber nicht meiner eigenen. Super Problemlöser, kennt ihr alle, für andere haben wir die besten Ratschläge, so. Aber ich habe dann irgendwann meine Rolle aufgegeben und dann kommt diese Ruhe, dann kommt das fehlende Chaos, aus dem man ja unbedingt raus wollte, weil das hat einen ja belastet, das hat einen ja, ich sage es ungern, aber man hat sich ja selber quasi getriggert, man hat ja selber gemerkt, scheiße, ich habe auf viele Situationen, die in meinem Leben stattfinden, überhaupt keine adäquaten Antworten, die mich in allererster Linie erstmal zufriedenstellen, die mir helfen, die mich weiterbringen, die mich selber irgendwie fördern, sondern die haben mich immer gefordert und ja, das hat man plötzlich alles nicht mehr, denkt man, denkt man.
wie weit habe ich mir durch das ganze Chaos, was ich verursacht habe, mir selber eine Identität gegeben. Ich war Kämpfer, ich war Retter, ich war Überlebender, ich war auch immer derjenige, der irgendwie alles aushält, ja zumindest nach außen und diese Rollen, diese Rolles, wenn die ich damals gespielt habe oder eigentlich gespielt habe, die ich gelebt habe, die haben mir Halt gegeben und dabei war scheißegal, wie ungesund oder wie toxisch mein Umfeld war. Ich spielte überhaupt gar keine Geige. Das war mir damals aber, ich weiß gar nicht, ob es mir bewusst war oder nicht, aber es kam halt der Zeitpunkt, wo es mir bewusst wurde, dass diese Rolle, die mir da Halt gibt, unabhängig von dem ist, wie toxisch oder nicht toxisch oder was weiß ich mein Umfeld ist, sondern wo ich dann einfach mal gerafft habe, so okay, aber das beste Umfeld für mich bin erstmal ich selber und daraus ergibt sich ein neues Umfeld.
Soweit will ich ja gar nicht, aber die große Frage war halt einfach, wer bin ich oder was bleibt von mir übrig, wenn ich diese Rolle einfach nicht mehr brauche, die ich jahrelang gelebt habe, sondern einfach ich spüre quasi, wie ich eine neue Rolle in meinem Leben selber einnehme. Plötzlich verschwinden Probleme und dann tut sich ein neues Problem auf, ich muss meine Identität neu sortieren. Ich muss quasi hergehen und mich selber neu finden und das ist ein Ding damit habe ich ganz lange gehadert, aber vielleicht, vielleicht, die Frage stelle ich mir oft oder die Aussage, vielleicht vermisse ich gar nicht das große Chaos, vielleicht fehlt mir gar nicht mein altes Leben, vielleicht fehlt mir Zugehörigkeit, Adrenalin von mir aus, Bedeutungen oder das Gefühl und jetzt kommt das Irrsinnige an der Sache, gebraucht zu werden, das Gefühl gebraucht zu werden in einer relativ irrsinnigen Art und Weise, vielleicht vermisse ich einfach nur Intensität und das ist das in meinen Augen, ich sage mal in Anführungszeichen Wahnsinnige, dass man nicht das Chaos vermisst, sondern Intensität und das ist ein Ding, das ist ein Ding, das ist ein Ding, das ist ein Ding, das ist ein Ding, Wo ich im Nachgang, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, irgendwann so einen Moment hatte, wo ich dachte so, Alter, wie doof kann man eigentlich sein?
So echt so, wie doof kann man eigentlich sein? Wie viel hättest du dir ersparen können? Nein, nochmal, ich bin mir zu 1000% sicher, hätte ich mein Leben nicht so gelebt, wie ich es gelebt habe, wäre ich heute nicht hier und da, so weit wie ich bin. Aber, ich bin aber auch der festen Meinung, dass man diese Erkenntnisse durchaus durch eine andere Lebensweise oder durch eine andere Lebensart generieren kann. Dafür musst du weder kriminell sein, noch dich mit irgendwelchen Subjekten, Subkulturen und keine Ahnung was alles abgeben, sondern kann man auch auf einem anderen Weg erlangen.
Ganz klar, es soll hier überhaupt nichts sein, was ich romantisieren will. Also, wie gesagt, auf der Haben-Seite steht Haft Langjährige und steht dies und steht das, Abstürze bis sonst wohin. Also, von daher ist es nicht erstrebenswert, das auf die Art und Weise zu lernen. Sagen wir es mal ganz vorsichtig. Ja, aber das war so meine erste große Eigenauflösung, die ich irgendwann mal hatte, so dieses, ey, mir fehlt nicht mein altes Leben, sondern mir fehlt tatsächlich, und ich glaube, das ist der größte Punkt, dieses Gebrauchtwerden, dieses Problemlösen für andere.
Also, andere kommen zu dir und sagen, keine Ahnung, ey, du, ich habe ein Problem, wie können wir es lösen? Und die Art und Weise, wie man es damals gelöst hat, ist mit Sicherheit nicht richtig, aber es ist eine Art und Weise. Nochmal, die will ich überhaupt nicht schönreden, aber es ist eine Art und Weise, Probleme zu lösen. Es ist eine Art und Weise, einfach gebraucht zu werden, weil dieses Gebrauchtwerden, das hatte ich vorher nicht. Jedenfalls, ich möchte hier gar nichts großartig unterstellen, aber ich wüsste es nicht, dass ich es vorher, bevor diese Zeiten anfingen, dass ich es gehabt hätte oder es gespürt hätte, gefühlt hätte, dass man mich aus anderen Gründen braucht.
Und ich habe damals gedacht, alles klar, ich erledige etwas für dich, dann reicht das mit dem Gebrauchtwerden, dann bin ich für dich wichtig oder wichtig genug. Und, ähm, dann fühlte man sich auch zugehörig zu, egal wem. Ich habe diese Mechanismen heute teilweise noch, dass ich sage, alles klar, komm, wir marschieren los, das klären wir jetzt. Wo ich mich dann aber relativ schnell abbremse und sage, nee, Moment mal, Moment mal, so geht das eigentlich nicht. Eigentlich. Ich meine, ich brauche, glaube ich, nicht darüber zu sprechen, dass wenn so gewisse Dinge in der DNA liegen, dass du die niemals ganz verlierst.
Das sage ich auch immer wieder an meinen Coachings, ähm, oder ich sage das meinen Coaches. Ich weiß, manche Dinge liegen in der DNA, die sind da fest verankert. Und die kannst du nicht ändern. Es gibt Dinge, die muss man einfach auch mal aushalten. Und das ist für viele erst dann möglich, wenn sie weit, weit, weit im Coaching sind. Dann kann man aushalten. Und ich kann mittlerweile aushalten. Und ich kann auch solche Situationen mittlerweile ertragen. Ja, hier und da kratzen Dinge auch an meinem Ego. Ja. Und hier und da werden Dinge hervorgerufen, wo ich sage, boah, die Verhaltensmuster hast du eigentlich schon lange, lange hinter dir.
Aber das ist auch immer wieder eine Übung und ziemlich lehrreich für das Hier und Jetzt. Dass man sagt, wow, habe ich eigentlich ganz cool gelöst, ohne zu eskalieren. Und das Ganze kann man auch, ich streue das jetzt gerade immer sehr, sehr weit. Warum vermisst man zum Beispiel, und jeder von euch kennt das, da bin ich mir ganz sicher, warum vermisst man irgendwelche Ex-Partner oder Partnerinnen, beziehungsweise alte Dynamiken, wenn man genau weiß, das will ich eigentlich nie wieder. Das hat mir nicht gut getan. Ist eine Beziehungsvertrautheit, wenn ihr jetzt mal so mit dem, was ich bis jetzt erzählt habe, und das mal so ein bisschen Revue passieren lasst, ist die automatisch gut?
Und romantisiert man vielleicht den Ex-Partner oder Partnerin, ist klar, weil man nicht will oder weil man es vermeidet, sich und seine Gefühle selbst zu untersuchen und zu hinterfragen? Kann das sein? Was genau vermisse ich da eigentlich? Die Person, die Dynamik der Beziehung oder das Gefühl, das ich da hatte. Und das können wir jetzt eins zu eins, zu der Geschichte, die ich euch jetzt vorher erzählt habe, nehmen und das da reinpacken. Und das könnt ihr quasi mit jedem Lebensbereich machen, der irgendwie ansatzweise damit vergleichbar ist.
Was genau vermisse ich eigentlich? Die Person oder die Rolle, die ich damals eingenommen hatte? Und war das wirklich automatisch alles gut? Wenn man an dem Punkt ist, das zu hinterfragen, dann seid ihr in der Selbstführung. Da fängt sie an. Ich habe ein, oh, ich denke drüber nach, Moment. Ich reflektiere mich. Ich reflektiere das Geschehene. Da beginnt Selbstführung. Da beginnt Entwicklung. Und Entwicklung kann Verlust bedeuten. Verlust von eurer eigenen Rolle, die ihr im Leben habt oder hattet. Man kann Gewohnheiten verlieren.
Man kann Menschen verlieren, Rituale, eigene Reaktionen. Und man darf, und das ist das, was ich so für mich wirklich, wie ich euch vorhin erzählt habe, manchmal greifen alte Muster noch. Und ich darf Dinge betrauern, ohne zurückzugehen. Versteht ihr, wie ich das meine? Nochmal, Entwicklung ist nicht nur ein Gewinn. Alle denken immer, Entwicklung ist so, boah, dann bin ich ja hier. Nee, Leute, den Zahn muss ich euch ziehen. Entwicklung ist nicht nur Gewinn. Nochmal, man verliert eine ganze Menge dabei. So persönliche Dinge, umfeldbedingt.
Wie gesagt, man verliert auch Menschen, Partner, Freunde, Familie. Und verliert seine eigene Rolle, seine Identität. Ja, verliert man, um eine neue zu generieren. Und ich darf traurig sein, dass ich diese Identität, dass ich diese Rolle, dass ich diesen Menschen nicht mehr in meinem Leben habe. Ich darf traurig sein, ohne den Gedanken zu haben, Ich muss dort wieder zurückgehen. Ich muss da wieder hin. Ich muss das wieder leben, um mich selbst zu befeuern. Um mir selbst keinen Gefallen zu tun. Und das, wenn man so weit gekommen ist, dass man sagt, ich kann etwas betrauern.
Oder ich darf traurig sein. Ohne zurückzugehen. Das macht Entwicklung, persönliche Weiterentwicklung erwachsen. Und realistisch. Du darfst etwas vermissen. Und du darfst trotzdem wissen, dass es nicht mehr zu deinem Leben dazugehört. Es ist kein Teil deines Lebens mehr. Und das ist eine harte Erkenntnis. Eine sehr harte Erkenntnis. Und die tut weh. Guck mal, bei allem, bei allem, wie soll ich sagen, bei allem Juhu und Persönlichkeitsentwicklung, Weiterentwicklung, Selbstführung, bei allem. Allem Hype verschweigen euch aber die ganzen großen Künstler da draußen eins.
Und das ist zu 90% so, dass das weh tut. Entwicklung tut weh. Immer. Immer. Ihr alle habt schon mal versucht, ein Kartenhaus zu bauen und am Anfang fällt es immer wieder zusammen, dass es irgendwann nervt und tut weh und keine Ahnung, bis es irgendwann fertig ist. Und dann schmeißt ihr es wieder zusammen, um es neu zu bauen. War ein blöder Vergleich, aber mir fiel gar nichts Dümmeres ein. Aber worauf muss ich heute eigentlich wirklich aufpassen? Worauf muss ich heute aufpassen, dass mich diese Rolle, diese Mechanismen nicht wieder einholen?
Und da kommen wir nämlich zu dem Punkt, der ist gar nicht so einfach. Heute muss ich darauf achten, mir nicht mehr unnötige Probleme zu schaffen, selber zu erschaffen. Auch wie in meinem Fall, indem ich zu viele Projekte angehe, zu viel Arbeit mir aufhalse, wo ich Konflikte vielleicht künstlich verlängern möchte, weil ich immer wieder, ich sag mal, einen neuen Reiz brauche. Ich erwische mich ganz häufig dabei, gerade was Projekte und Arbeit angeht, und ich meine, die meisten, die kriegen das ja mit und die, die mich kennen sowieso, dass ich, wenn ich etwas anfange, ich da quasi schon ein Extremist bin, der das in Perfektion machen möchte und, und, und.
Ich habe aber auch gelernt, mal liegen zu lassen. Auch mich mal liegen zu lassen. Und glaubt mir, ich bin weit weg von, ich kann das gut, ganz weit weg, gerade aktuell. Wo ich denke, alles klar, ich habe nächste Woche vier Lead-Gespräche oder Sales-Gespräche oder wie auch immer, halt Gespräche mit anderen Unternehmen, die Interesse haben. Ich denke, da musst du maximal, es muss alles funktionieren. Bam, bam, bam, bam, bam. Nee, muss es nicht. Ich darf auch unperfekt sein. Ja, ich muss diese Reize, muss ich nicht immer wieder setzen, immer wieder setzen, nicht wieder setzen.
Es geht auch, wie soll ich sagen, doofes Wort, entspannt, sagen wir es so. Ja, ich kann, oder, nee, nicht, ich kann, ich muss persönlich heutzutage selber darauf achten, wo entsteht heutzutage eine neue Lautnis, eine neue Lautstärke. Und ich muss diesen Regler, diesen Lautstärkeregler drehen können, um es wieder leiser zu machen. Ähm, und das ist eine Herausforderung, sage ich euch ganz ehrlich. Das ist eine Riesenherausforderung, diesen Lautnisregler, da immer wieder unter Kontrolle zu haben, so, dass er, dass diese Lautstärke mich im Alltag so wenig als möglich belastet.
Und nochmal, Entwicklung ist hart. Ich habe euch gerade erzählt, wie man sie betrauern kann. Und im Alltag damit zu kämpfen, ist genauso hart. Aber sinnvoll. Einfach sinnvoll. Die Frage ist, die ich mir dann immer stelle, Digga, erzeugst du gerade einfach vielleicht eine neue Unruhe, auch nach außen, nur damit sich alte Muster wieder vertraut anfühlen? Vielleicht erzeuge ich ja Lautstärke in meinem Leben, weil diese Ruhe, diese Sicherheit ungewohnt ist. Muss ich deswegen ein neues Drama erschaffen, damit mein Leben nicht langweilig ist?
Damit ich in meiner alten Rolle wenigstens so, keine Ahnung, mal ebenso wieder reinschlüpfen kann? Schwierige Frage. Und wenn man in diesem Prozess ist, dann ist man schon sehr, sehr weit. Dann seid ihr schon vielen, vielen Menschen da draußen einen Riesenschritt voraus, weil viele diese Art von Entwicklung gar nicht erst angehen, weil sie unangenehm ist. Sie ist unangenehm. Und ich will euch das überhaupt nicht madig reden. Genauso schön ist es aber auch zu sehen, wie man auch mal Ruhe in seinem Leben genießen kann.
Und wie beruhigend es einfach sein kann. Und das merkt man, wenn man morgens aufsteht, seinen Tag verbringt, wenn man irgendwelchen Triggern ausgesetzt ist. Und das bin ich ja genauso wie ihr auch. Aber der Umgang damit ein komplett anderer ist, als er früher war. Diese Ruhe, die ich in mir habe, die ist fast unumstößlich. Du willst nicht mit mir? Dann geh. Du bist gegen mich? Dann geh auch. Ist mir egal. Ist mir egal. Ich bin grundsätzlich der, der die größte Beziehung mit sich führt. Ende aus Mickey Mouse. So einfach ist das.
Und ich hoffe, ich konnte euch mit der Folge ein bisschen abholen. Möchte euch aber nicht entlassen, ohne euch eine Frage mitzugeben. Guck mal, was vermisst du manchmal, obwohl du genau weißt, dass du es nicht zurückhaben möchtest? Welches Gefühl? Welche Rolle vielleicht in deinem Leben? Welche Version von dir vermisst du, obwohl du nicht mehr nach ihnen zurück möchtest? Was genau fehlt dir wirklich daran? Der schlaue Satz von heute zum Ende dieser Folge. Manchmal ist Entwicklung eben auch etwas zu vermissen und trotzdem weiterzugehen.
In diesem Sinne, meine Damen und Herren, mein Name ist Sven aka Border Allein und wir hören uns nächste Woche wieder. Tschüss. Tschüss.
Hinweis: Der Podcast teilt persönliche Erfahrungen und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. In einer akuten Krise: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, Notruf 112.