Border Allein Podcast · Folge vom 17. September 2026

Ich kann 17 Stunden arbeiten – aber Ruhe macht mich nervös: Wann Leistung zur Flucht wird und warum Selbstführung manchmal bedeutet, bewusst nichts zu tun

36 Min.SvenSelbstführung

Podcast-Cover Border Allein

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Worum es in der Folge geht

Ich kann 17 Stunden arbeiten.

Wirklich.

Ich kann mich in Projekte verbeißen, Probleme lösen, planen, organisieren und weitermachen, bis irgendwann einfach nichts mehr geht.

Aber wenn ich zwei Stunden nichts tun soll?

Dann wird es interessant.

Denn irgendwann habe ich mir eine ziemlich unangenehme Frage gestellt:

Bin ich wirklich einfach nur fleißig – oder kann ich Ruhe schlecht aushalten?

Genau darum geht es in dieser Folge.

Nicht um Produktivitätstipps.
Nicht um Zeitmanagement.
Nicht darum, wie Du noch mehr in Deinen Tag pressen kannst.

Sondern darum, was passiert, wenn Beschäftigung so normal wird, dass Ruhe sich falsch anfühlt.

Wenn der Laptop zu ist.
Wenn nichts Dringendes ansteht.
Wenn niemand gerade etwas von Dir will.
Wenn Du theoretisch einfach sitzen könntest.

Und Dein Kopf trotzdem sofort sagt:

„Du könntest doch noch …“

Noch eine Aufgabe.
Noch eine Mail.
Noch eine Idee.
Noch etwas optimieren.

Ich habe lange gedacht, das sei einfach Ehrgeiz.

Und ja, ein Teil davon ist Ehrgeiz.

Aber irgendwann musste ich mir eingestehen:

Vielleicht ist Beschäftigung manchmal auch eine gesellschaftlich akzeptierte Form von Flucht.

Nicht immer.

Aber manchmal.

Und dann wird die nächste Frage spannend:

Wovor eigentlich?

Vor Gedanken?
Vor Unsicherheit?
Vor Kontrollverlust?
Vor dem Gefühl, nicht genug zu leisten?
Oder davor, still genug zu werden, um sich selbst wieder zu hören?

Ich spreche sehr persönlich darüber, warum Funktionieren früher für mich eine Stärke war und später zur Belastung werden kann.

Denn nicht alles, was uns früher geholfen hat, hilft uns automatisch für immer.

Manches trägt uns durch schwierige Zeiten.

Und manches bleibt so lange bestehen, bis wir irgendwann merken:

Ich mache vielleicht denselben alten Scheiß – nur in einem anderen Gewand.

Aus Angst wird Überplanung.
Aus Kontrollverlust wird der Versuch, alles kontrollieren zu wollen.
Aus Misstrauen wird: „Ich mache es lieber selbst.“
Aus Flucht wird Dauerbeschäftigung.
Aus Selbstverlust wird permanentes Funktionieren.

Von außen sieht das vielleicht nach Disziplin, Fokus und Erfolg aus.

Nur innen fühlt es sich trotzdem nicht ruhig an.

Ich erzähle davon, wie ich begonnen habe, genau das bei mir zu erkennen.

Wie ich lernen musste, Dinge bewusst liegen zu lassen.
Pausen zu machen.
Mit dem Hund rauszugehen.
Zu essen, ohne gleichzeitig zu arbeiten.
Mich hinzulegen.
Ein Wochenende nicht permanent zu „nutzen“.

Und das Verrückte war:

Ich habe dadurch nicht weniger geschafft.

Ich war danach klarer.

Für mich ist genau das Selbstführung.

Nicht jede Minute maximal effizient zu machen.

Sondern zu merken, wann ich kippe.

Wann aus Ehrgeiz Druck wird.
Wann aus Fokus Tunnelblick wird.
Wann aus Produktivität Flucht wird.

Und manchmal bedeutet Selbstführung dann eben nicht:

„Weiter.“

Sondern:

„Stopp.“

Vielleicht kennst Du diesen Gedanken:

„Ich darf jetzt keine Pause machen.“

Vielleicht ist genau das manchmal der Moment, in dem Du sie brauchst.

Nicht weil Du schwach oder unmotiviert bist.

Sondern weil Dein ganzes System längst mehr sagt, als Du hören willst.

Wann hast Du zuletzt wirklich nichts getan?

Ohne Handy.
Ohne Netflix.
Ohne Haushalt.
Ohne Mails.
Ohne To-do-Liste.
Ohne „ich könnte ja noch schnell …“

Einfach nichts.

Und wenn jetzt sofort der Gedanke kommt:

„Dafür habe ich keine Zeit“

dann stell Dir eine zweite Frage:

Hast Du wirklich keine Zeit?

Oder kannst Du es nicht aushalten?

Vielleicht ist Ruhe nicht das Gegenteil von Leistung.

Vielleicht ist Ruhe der Ort, an dem Du merkst, warum Du überhaupt so viel leisten musst.

Und vielleicht sagt Dir manchmal nicht die Arbeit, wie gestresst Du wirklich bist.

Sondern die Ruhe.

Wenn Du nur dann ruhig bist, wenn Du beschäftigt bist, bist Du wahrscheinlich nicht wirklich ruhig.

Und genau da beginnt für mich Selbstführung.

— Sven

#BorderAllein #Selbstführung #Persönlichkeitsentwicklung #MentaleGesundheit #Podcast

Transkript der Folge lesen

Automatisch erstellt und leicht bereinigt (Werbehinweise gekürzt). Kleine Hörfehler sind möglich.

Ich kann 17 Stunden arbeiten, 2 Stunden nichts tun, machen mich schon nervös. Sobald nichts ansteht, entsteht Unruhe. Man nimmt das Handy, man sammelt Ideen, man sucht sich irgendwelche Aufgaben. Bin ich jetzt einfach nur fleißig oder steckt mehr dahinter? Herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Meine Damen und Herren, mein Name ist Sven. Wenn ich einen freien Tag habe oder wenn ich zum Beispiel nichts zu tun habe, also der Rechner bleibt aus oder ich nehme keinen Podcast auf, ich mache keine Videos oder habe an einem freien Tag vielleicht mal keine Coachings.

Was genau passiert dann in mir? Oder ihr kennt das vielleicht selber, ihr habt nichts zu tun. Ihr habt nichts zu tun. Nada. Niente. Nifnaf. Kaffee. Kaffee ist das Einzige, was uns noch aufrechterhält. So, ihr habt nichts zu tun. Was passiert? Man nimmt das Handy, man checkt trotzdem irgendwelche Mails, sammelt irgendwelche Ideen oder Vorhaben. Man sucht sich irgendetwas. Aber was genau passiert da in meinem Kopf oder in deinem Kopf, warum sucht man sich denn so krampfhaft direkt neue Aufgaben? Und was ist, wenn mein Problem gar nicht zu wenig Freizeit ist, sondern dass ich meine Freizeit überhaupt nicht aushalte?

Dass ich es nicht aushalte, mir selber, ja wie soll ich sagen, man sagt es heutzutage so schön, Me-Time zu gönnen. Guck mal, wenn ich mal so zurückgucke auf mein Leben, auf mein, auf mein tristes, tristes Dasein. Das habe ich früher gemacht. Ich musste immer funktionieren. Gerade so aus der Welt, wo ich früher herkam, da war funktionierendes A und O. Klingelte das Handy, musstest du da sein. Du musstest durchziehen, du musstest Probleme lösen, du musstest alles irgendwie unter Kontrolle haben. Und sei es jetzt in der legalen oder illegalen Welt damals, es war überall das Gleiche.

Ich habe immer Kontrolle haben müssen und durfte quasi niemals eine Schwäche zeigen. Ich will das nicht alles verteufeln, weil genau solche Strategien, ja die tragen dich so ein bisschen. Also, das hat mich ja damals irgendwo auch immer wieder, wie soll ich sagen, gerettet. Weil hätte man damals sich beigebracht, ach ich muss nicht funktionieren, ich darf auch mal Schwäche zeigen. Der Welt hat bitter bestraft worden, ganz bitter. Und trotzdem ist es heutzutage so, dass es mich irgendwie reglementiert oder begrenzt.

Und ich merke immer mehr, dass genau das jetzt gerade, just in this moment, just in time, ja, dass mich das quasi betrifft, jetzt im Moment. Und guck mal, ich habe große Projekte, ich habe ganz viele Ideen und noch eine Aufgabe, noch eine Aufgabe, noch eine Optimierung, noch irgendetwas schnell fertig kriegen. Und ich dachte immer, ich arbeite so viel und mache so viel, weil ich vielleicht ambitioniert bin, weil ich Großes erreichen will. Und das stimmt auch. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Was wäre die Frage oder die These, wenn ich sagen würde, dass Beschäftigung, wie soll ich das ausdrücken, manchmal nur so eine gesellschaftlich akzeptierte Form von Flucht ist.

Wenn dieses, ich muss etwas leisten, noch mal, eine Gesellschaft ist eine Gesellschaft, egal ob sie im Untergrund ist oder im Obergrund, also eine normale Gesellschaft. Gesellschaft ist Gesellschaft, okay? Und irgendwie wird nur die Form des Leistens gefühlt, positiv gewertet. Und leistest du mal nichts, dann heißt es direkt so, self and faulen Hund, guck mal, so wie du arbeitest, will ich mal Urlaub machen. Das sind alles so lockere, läschere Sprüche. Aber wenn man die Vergangenheit jetzt einfach mal dazu nimmt, dann ist das alles nicht mehr so locker und läscher, sondern dann triggert es ja quasi Glaubenswerte so von wegen, Alter, ich leiste hier nicht genug.

Ich muss noch mehr machen. Und ich weiß nicht, ob es den Begriff gibt, statt Overthinking kommst du ins Overmalochen, in Overwork, in keine Ahnung was. Overmaloche finde ich geil. Egal. Und du sammelst noch mehr Ideen, noch mehr Projekte, willst noch mehr umsetzen. Einfach, um den Leuten zu beweisen, ey, guck mal, du hast Unrecht gehabt. Und wem will ich was beweisen? Mir? Oder denen? Ey, lass uns bloß nicht so sein wie die. Das ist immer so mein Credo. Und die Wahrheit ist doch einfach, hier fliegt eine kleine Fliege, die Wahrheit ist doch eine ganz andere.

Man hat diesen unsichtbaren Druck von anderen, den kriegst du auferlegt. Oder du glaubst, du kriegst den auferlegt. Aber wovor genau flieht man eigentlich? Wovor? Vor Leere, also vor Leere, vor Gedanken, Unsicherheiten? Gar vor Kontrollverlust? Vor dem Dingen nicht gebraucht zu werden? Angst, nichts zu leisten? Angst, dass man, dass man still wird? Ich weiß jetzt nicht, ob es bei mir immer derselbe Beweggrund ist. Aber Ruhe macht viele Dinge hörbar. Ruhe macht viele Dinge hörbar, die du mit, ich sag jetzt mal wie in meinem Fall, Arbeiten mit Leistung, dies, das, jenes, die kannst du wunderbar, kannst du diese Ruhe übertönen.

Weil wenn diese Ruhe aufkommt, dann wirkt sie bedrohlich. Gutes Beispiel. Guck mal. Ich stehe jeden Morgen so um 5 Uhr auf und fange an. Irgendwann, so gegen Mittags, hat man den ersten Zenit, sag ich mal, hat man erreicht und man braucht die Pause. Du brauchst die Pause. dann, keine Ahnung, flitzt du dich mal ein Stündchen auf die Couch. In dieser Stunde habe ich oftmals das Gefühl, ich darf das nicht. Ich darf das jetzt hier nicht. Das ist verbotter. Ist nix gut. Ist gar nix gut. Wovor habe ich in dem Moment eigentlich Angst?

Habe ich in dem Moment wirklich Angst, nichts zu leisten? Oder habe ich Angst vor den Stimmen, die irgendwo in meinem Unterbewusstsein noch verankert sind, so von wegen, okay, du bist gerade faul. Aber faul sein ist meiner Meinung nach eine ganz bewusste Entscheidung. Eine ganz bewusste Entscheidung. Aber dennoch macht Ruhe einfach hörbar. Und zwar Glaubenssätze, alte Verknüpfung, es wird hörbar gemacht. Ich meine, heutzutage bin ich eigentlich so weit, dass ich sage, das ist mir scheißegal. Es ist aber so, die Darstellung eher so ein bisschen auch nach außen.

Weil unterm Strich, wenn ich auf dem Sofa liege, auf der Couch liege und die Ruhe ist nicht leise, dann gebe ich ja doch keinen Fick da drauf, was die Leute draußen denken könnten, sagen könnten oder, oder, oder. Oder wenn er Paketbote klingelt. Das kommt dir das ein oder andere Mal vor. Du machst die Tür auf und er kann so straight ins Wohnzimmer gucken und du hast vielleicht irgendwie gerade noch die Decke da liegen auf der Couch. Oder siehst verpennt aus mittags. Dann denkst du dir sofort, ah, der gibt dir das Paket und er könnte denken, guck mal, die faule Sau ist zu Hause, Punkt eins.

Punkt zwei, sieht irgendwie verpennt aus, ist bestimmt ein Harzer. Während er, auch das ist Podcast, es klingelt. Während er arbeiten muss. Ich muss mir eben die Lautstärke wegmachen. Sollte der nächste Anruf kommen. Habe ich vergessen, tut mir leid, Entschuldigung. So, ich weiß gar nicht, ob ihr das gehört habt. Und der könnte ja denken, Gott, weil bist du eine faule Sau. Ihr kennt das Gefühl, oder? Ihr kennt das Gefühl, hundertprozentig. Oder der Partner kommt irgendwie nach Hause, vielleicht sogar früher von der Arbeit, und nein, ihr liegt nicht mit der oder mit demjenigen im Bett, sondern ihr habt euch gerade mal für zehn Minuten hingelegt, weil ihr gerade nicht konntet, aber der Partner sieht, Alter, liegst du auf der Couch?

Chillst du etwa? Während ich, keine Ahnung, das und das gemacht habe. Was kommt sofort hoch? Maximal schlechtes Gewissen. Maximal schlechtes Gewissen. Und in dem Moment wird einem bewusst so scheiße. Die denken alle von mir, ich kriege ich nicht auf die Kette. Und dann ist auch dieses, was du bis jetzt geleistet hast, was also quasi schon hinter dir liegt, das juckt keine Sau, sondern das, was du jetzt gerade machst, ist für dich relevant. Und für mich auch. Das, was du vielleicht schon an riesen Steps gemacht hast, interessiert keinen.

Gefühlt. Sondern du denkst immer, du wirst darauf reglementiert oder du wirst darauf runtergebrochen, dass du jetzt gerade in diesem Moment einfach nichts leistest. Was du tatsächlich leistest, siehst du gar nicht. Aber da kann man sich mal so Gegenfragen stellen. Zum Beispiel, wenn du wissen willst, ob du wirklich nur fleißig bist oder Ruhe schlecht aushältst. Mach einfach mal einen ganz, ganz simplen Test. Einfach mal zehn Minuten Zeit nehmen. Kein Handy, keine Musik, keine Aufgaben, nichts, aber auch nichts, gar nichts konsumieren.

Einfach nur zehn Minuten da sitzen. Und dann mal beobachten oder sich die Frage stellen, ey, was passiert hier gerade eigentlich in mir? Und dann beobachte dich mal. Geht der Griff zum Handy? Hast du Gedankenrasen? Hast du ein schlechtes Gewissen zu dem Drang aufzustehen? Oder hast du urplötzlich was extrem Wichtiges? Mach das einfach mal. Wie fühlt ihr euch dabei? Beobachtet das mal ganz konkret. Also nochmal, setzt euch mal zehn Minuten hin und konsumiert nichts nada niente, sondern einfach nur zehn Minuten sitzen.

Könnte ich jetzt hier machen, aber zehn Minuten in einem Podcast. Schweigen ist immer dämlich, weil Hintergrund ist oft oder manchmal sagt uns nicht entweder die Arbeit oder das, was wir leisten, wie gestresst wir sind, sondern die Ruhe. Die Ruhe zeigt uns, wie viel Stress hast du eigentlich wirklich im Kopf? Wie viel schlechtes Gewissen hast du wirklich im Kopf? Wie viel bewegst du dich tatsächlich im Außen? Wenn ihr in diesen zehn Minuten zum Beispiel, wenn ihr Gedankenrasen bekommen solltet und drüber nachdenkt, sagt so, boah scheiße, ich muss ja und mein Partner, der könnte jetzt dies machen, der könnte jetzt das machen, dies, das, jenes.

Die Ruhe zeigt euch, welchen Status quo ihr gerade habt. Hört sich erstmal komisch an, oder? Aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine. Ich glaube genau, ihr wisst, was ich meine. Und wenn ihr in der Beobachtungsphase seid, beobachtet einfach mal, weil oftmals läuft es unbewusst, unbemerkt, scheiße, ich will nach dem Handy greifen. Boah, ich kriege irgendwie so, ich kriege Druck. Ich kriege in meiner Ruhephase Druck. Und eigentlich soll auch die Ruhe dafür da sein, um mal runterzufahren. Und was mache ich? Straight nach oben.

Ganz straight nach oben. Und fragt euch einfach mal, jetzt mal unabhängig von diesem kleinen Zehn-Minuten-Test, fragt euch einfach mal, boah, wer und wann wollte eigentlich, dass ich so funktioniere? Wollte ich das? Oder wollten es andere? Wer wollte das eigentlich? Und ich sage euch eins, dieses Funktionieren, das ist das nächste Problem. Dieses, also meiner Meinung nach, also da kann jeder eine andere Meinung zu haben, aber es ist jetzt auch ein bisschen weiter ausgeholt, aber funktionieren lernen wir schon im Kindergarten.

Funktionieren lernen wir schon zu Hause, weil diese Gesellschaft, ich sage jetzt einfach mal, hier in diesem Lande darauf programmiert ist, für die Gesellschaft zu funktionieren. Das heißt, ich lerne zu funktionieren, okay, im Kindergarten, ich muss mich an Regeln halten. Also Regeln sind wichtig, nicht falsch verstehen, aber da muss ich schon funktionieren, ich muss, keine Ahnung, ich darf von neun bis zwölf spielen, dann muss ich essen, dann muss ich im, ich weiß nicht, ob es heute noch so ist im Kindergarten, bei uns war es so, muss ich schlafen gehen, danach darf ich noch ein bisschen spielen, es gibt noch mal was zu essen und ich werde abgeholt.

Zu Hause muss ich dann mein Zimmer aufräumen, darf vielleicht noch eine Stunde spielen und muss dann ins Bett. Muss, muss, muss und dann fängt es an, tun wir es nicht, müssen wir vor die Tür, die Eltern müssen uns abholen, weiß der Geier, immer dann, wenn wir nicht funktionieren, gibt es eine Konsequenz und wenn wir dann mal in der Schule nicht funktioniert haben und die Info nach Hause kam, der kleine Sven, der funktioniert nicht so, wie wir wollen, der macht dies nicht, der macht das nicht und das kam das ein oder gab es dann, ja aber du musst, du musst doch, wenn der Lehrer was sagt, hast du zuzuhören, wenn du dies sagst, hast du das zu machen, wenn er jenes sagt, musst du das tun und ich möchte, dass du zumindest diese Klassenarbeit mit einer 3 schreibst, weil du kannst das ja, wir setzen also voraus, ich kann das, weil sie denken, da sie es können, muss ich es auch können.

Was ich damit sagen will ist, ihr merkt, dieses System ist darauf ausgelegt, dass wir funktionieren und dann kommen noch pädagogische Sachen wie Erziehung der Eltern oder der Erziehungsberechtigten, es kommen eigentlich nur pädagogische Sachen mit ins Boot, selbst wenn ihr in der Ausbildung seid, selbst wenn ihr einen Job macht irgendwann, müsst ihr funktionieren und das müsst ihr auch, wenn ihr euch selbstständig macht, ich bin mein eigener Chef, ich bin jetzt frei, hey, du bist davon abhängig, ob andere dein Produkt kaufen, deine Leistung in Anspruch nehmen, du bist davon abhängig, was du ans Finanzamt zahlen musst und du bist hier immer in einem Rad gefangen, aus dem du nicht rauskommst.

Das sind die Gegebenheiten und steht mir jetzt auch nicht zu, das alles zu beurteilen, sondern ich haben wir diese Ruhe, warum empfinden wir die als Bedrohung, weil wir es von klein auf gelernt haben, sondern jetzt kennt jeder, jeder, der, ich weiß sie nicht, nicht jeder, aber seitens der Erziehungsberechtigten wird immer richtig Druck gemacht. Und mit Druck meine ich nicht nur schulischen Druck, sondern, keine Ahnung, du bist jetzt sechs, du bist jetzt sieben, du kannst jetzt hier abwaschen, du musst dies machen, du musst das machen und erst wenn du das und das gemacht hast, dann darfst du vielleicht das und das, wenn du Glück hast.

Wenn du Glück hast. Dann kommt so ein Typ wie ich, der seinen Kindern immer beigebracht hat, auf sich zu achten. Jetzt können wir darüber diskutieren, ob das richtig ist oder falsch ist, wenn ich sage, ich verteufle dieses Schulsystem, ich verteufle diese Maschinerie, die hier stattfindet. Können wir darüber diskutieren, darauf kommt es auch gar nicht an. Ich habe versucht, meinen Kindern oder versuche das beizubringen, fühle dich frei. Okay, ich merke aber auch ganz oft, dass auch ich natürlich irgendwo immer mal Teil des Ganzen bin und sage, boah Digga, du hast hier zwei Fünfen umzeugnis, zehnte Klasse, wenn das am Ende des Schuljahres immer noch so ist, hast du keinen Abschluss.

Und dann habe ich mir die Frage gestellt, und das war auch einer der Knackpunkte, da habe ich dann laut geäußert, Da kann man mich jetzt für verteufeln oder nicht. Ich habe dann laut geäußert, braucht man heutzutage noch einen Abschluss? Ja, um im System zu funktionieren? Also wenn du Bankkauffrau oder Bankkauffrau, oh Mann, oder Bankdivers, Bankdivers ist auch geil, ist egal. Wenn du das werden möchtest oder Versicherungskaufrau, brauchst du einen Abschluss. Sonst kannst du die Ausbildung nicht machen. Das heißt, es wird also vorausgesetzt, wenn auf diesem Blatt Papier Zahlen draufstehen, wie gut du doch warst, diese Zahlen wieder abhängig sind von einem Lehrer, ob er dich vielleicht mochte oder nicht, ob er dich vielleicht runter- oder hochgestuft hat, wo es Diskrepanzen gab und all das.

Scheißegal. Chris, ein Blatt Papier, da stehen Zahlen drauf, und nach diesen Zahlen wird entschieden, ob du eine Ausbildung in Betrieb A, B oder C machen kannst. Und ich habe dann ganz dreist gesagt, braucht man heutzutage eigentlich noch einen Abschluss? In Zeiten von, und ich meine, ich lebe ja selber davon, wo du im Internet alles machen wirst, wo die KI alles übernimmt, wo dies, das, jenes, wo die Berufe aussterben, die sterben aus. Das Handwerk vielleicht noch nicht, aber die AGE, die Superintelligenz, die kommt, und dann werden auch diese Berufe aussterben.

Nun mal ganz kurz am Rande, in China ist es schon so, sie sind schon so weit, dass sie mit der AGI Roboter ans Fließband stellen, die die Arbeit um ein tausendfache schneller machen als ein normaler Arbeiter. Die viel weiter denken, nichts und nie krank werden. Dann nochmal eine Frage, brauche ich heutzutage noch eine Ausbildung? Die Banken bauen Personal ab, es wird irgendwann kein Bargeld mehr geben. Wofür brauchst du noch eine Bank, eine physische Bank? Also, wofür brauchst du noch eine Bankangestellung? Bank, Kauf, Mann oder Frau?

Und die Frage habe ich dann einfach mal, ich hole jetzt sehr, sehr weit aus, ich weiß das auch, aber ich will es erklären. Die Frage habe ich einfach mal in den Raum geworfen, was glaubt ihr denn, was dann vom Außenkram? Oh, Alter, Falter, dann ist das selber, als wenn ich gesagt hätte, der Papst ist evangelisch. Das stimmt, das kannst du nicht machen, so etwas kannst du doch keinem sagen. Also, okay, gut, okay, ist so. Die kannst du nur so denken, dann kriegt der doch gar keine Ausbildung. Okay, sehe ich ein. Ich sehe ein, dass ihr das so seht.

Wenn ihr alle, die das sagt, zur Ruhe kommt, habt ihr dann Ruhe? Oder ist dann diese Ruhe laut? Ist sie dann wirklich laut? Ich übertreibe jetzt mal bewusst, wenn alle, die dieses Vorzeigeleben leben, mal zur Ruhe kommen, ist diese Ruhe glücklich oder unglücklich? Ist die Ehe, die sie führen, glücklich oder unglücklich? Sind die Kinder, die sie haben, sind sie damit glücklich oder unglücklich? In ihrem Job und, und, und. Kommt doch mal zur Ruhe. Und lasst mal auf euch wirken. Was ist Ruhe wirklich? Was ist sie wirklich?

Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, ich sage ja, ich bin da nicht frei von, um Gottes Willen. Ich habe mir irgendwann angewöhnt, alles klar, ich lasse Pausen zu. Ich lasse erst mal nur Pausen zu. Ich gehe mit dem Hund raus. Ich esse mittlerweile, ohne nebenbei zu arbeiten. Früher habe ich hier in meinem kleinen Studio gesessen und Büro und habe beim Essen weitergemacht. Bloß keine Pause. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, und auch das klappt nicht immer. Das wäre ja irrsinnig, am Wochenende wirklich weniger zu tun.

Aber auch da ist schon wieder, du darfst nur am Wochenende weniger tun. Aber egal. Ich habe also gelernt, Dinge bewusst zu verschieben. Und habe auch gelernt, die Welt geht davon nicht unter. Aber das Verrückte war ja gar nicht, dass ich dadurch weniger geschafft hätte. Ganz im Gegenteil. Durch diese Pausen habe ich effektiv viel, viel mehr geschafft, weil ich viel klarer in der Birne war. Weil ich nicht stundenlang in einem und demselben Tunnel so gesessen habe. Ich habe einfach versucht und versuche das immer noch, mir Pausen zuzugestehen.

Ohne oder gerade ganz bewusst ein schlechtes Gewissen zu haben. Versucht. Ich spreche nicht davon, dass das so hundertprozentig klappt. Ich sage ja, manchmal lege ich mich mal eine Stunde hin und habe ein schlechtes Gewissen, weil, keine Ahnung, mein Sohn arbeiten ist. Und ich darf eine Stunde auf der Couch liegen. Gut, ich arbeite von zu Hause aus. Ich habe so ein bisschen mehr Freiheit. Aber irgendwie auch nicht. Es ist die Frage, wer ist mehr in einem seelischen Gefängnis oder geistigen Gefängnis gefangen? Ich oder er?

Ja, weil er ist den ganzen Tag draußen. Er funktioniert. Aber auch nicht immer. Und er macht das ganz bewusst. Und das ist das Einzige, wo ich echt sage, so, das ist eigentlich das Einzige, was ich gut gemacht habe, aber wo ich sage, so, ey, das ist geil, das ist angekommen. Ich muss nicht immer funktionieren. Wenn ich nicht kann, kann ich nicht. Und das System lässt zu, dass man sich krankschreiben lässt. Zum Beispiel. Nur als Beispiel. Aber auch das, Tag ist aktuell, jetzt ist es schon ein paar Wochen her, aber Krankmeldung ab dem ersten Tag, dies, das, jenes.

Wir müssen statt 40 Stunden, müssen wir 48 Stunden arbeiten. Wir haben ja viel zu viel Freizeit. Alter, dass das alles krank macht. Und dass das keine Ruhe, mit Ruhe, sondern Ruhe, mit Lautnis erzeugt. Da brauchen wir wohl nicht drüber reden. Da brauchen wir nicht drüber reden. Und, guck mal, ich muss nicht jede verdammte Minute meines Alltages optimieren. Ich muss nicht ständig leisten. Ich darf auch merken, wenn ich mal kippe. Ich darf dann auch eine Dringlichkeit hinterfragen. Wie dringend ist das, was ich jetzt machen muss, im Gegensatz zu dem, was ich eigentlich bräuchte.

Also nehme ich die Pause als ganz bewusste Entscheidung. Wenn mein Kopf sagt, du darfst jetzt auf keinen Fall Pause machen, dann weiß ich für mich, ist das der Moment, wo ich sie am meisten brauche, die Pause. Und das könnt ihr auf ganz viele Alltagssituationen adaptieren, ey. Streit, Eifersucht, Angst, Überforderung, impulsive Entscheidungen. Wenn ich in jeder dieser Situationen mir eine Pause nehme, unterbreche ich meinen Autopiloten. Ja, auch bei Eifersucht. Ja, auch bei Angst. Ich kriege Angst. Stopp, ich mache mal eine Pause.

Ich gehe mal raus. Ich gehe mit dem Hund. Ich gehe dies, komme zurück. Ist die Angst doch dieselbe? Ist das Gefühl, was ich vorher hatte, dasselbe? Nochmal. Wenn mein Kopf sagt, auch bei einem Streit, wenn mein Kopf sagt, du darfst jetzt auf keinen Fall Pause machen, du musst jetzt durchziehen, dann ist das der beste Beweis dafür, dass ihr diese Pause gerade dann am nötigsten habt. Zurück zum Anfang. Also, bin ich einfach fleißig oder kann ich schlecht mit Ruhe umgehen? Kommen wir mal wieder zurück. Antwort, ganz easy, beides.

Guck mal, ich zum Beispiel, ich mache das, was ich tue, sehr, sehr gerne. Ich baue gerne etwas auf. Ich bin ambitioniert. Und ich kann auch arbeiten… Ich kann auch… benutzen, um nicht fühlen zu müssen. Und irgendwie darf beides gleichzeitig wahr sein. Es gibt da kein Entweder-Oder. Keiner ist perfekt. Und ja, auch ich benutze Arbeit oftmals, um nicht fühlen zu müssen und versuche aber, zu lernen, mit Ruhe umgehen zu können. Und das sind diese Kleinigkeiten, die ich jetzt gerade erwähnt habe. Nachdem ich über das System geschimpft habe und riesig ausgeschweift bin, aber ich hatte das Gefühl, ich musste das genau so erklären, damit man versteht, wie ich das meine.

Dieses, woher kommt das funktionieren müssen, Kontrolle und und und. Alles hat eine Wahrheit. Und irgendwo liegt die Wahrheit auch immer dazwischen. Wenn ich merke, mein Kopf sagt mir, ich darf jetzt keine Pause machen, weiß ich, ich brauche sie. Und dann nehme ich sie mir. Und nochmal, alles ist wahr. Auch das schlechte Gewissen ist wahr. Und ich meine, ich bin jetzt alt und habe genug Vergangenheit, um die Gegenwart oftmals schwieriger zu fühlen. Aber dennoch, dennoch versuche ich, mir wirklich auch aus der Selbstführung heraus, meine Programme quasi auch selber anzuwenden.

Also zu sagen, ey, ich muss nicht maximale Effizienz haben, indem ich alles hier, bam, bam, bam, jede Minute muss auf 100 Prozent, jede Sekunde muss auf 100 Prozent. Ich muss immer on top sein. Ich muss immer up to date sein. Nein, muss ich alles nicht. Muss ich alles nicht. Ich kann, weil ich es kann. Ich kann, weil ich es möchte. Ich kann aber auch, wenn ich nicht möchte. Jetzt frag dich doch einfach mal da draußen. Wann hast du das letzte Mal wirklich, wirklich, wirklich, nichts getan? Nichts, nichts. Also kein Handy, kein Netflix, den Haushalt vielleicht auch mal links liegen lassen, ohne irgendetwas Produktives zu tun oder irgendetwas zu tun, was man von einem erwartet oder was von einem erwartet wird?

Wann? Und wenn jetzt bei dir sofort der Satz in den Kopf kommt, dafür habe ich keine Zeit oder das darf ich nicht, das geht nicht. Hast du wirklich keine Zeit oder kannst du es nicht aushalten? Hast du wirklich keine Zeit oder möchtest du es nicht aushalten? Aber vielleicht ist Ruhe nicht das Gegenteil von Leistung. Vielleicht ist Ruhe auch der Ort, an dem du merkst, warum du überhaupt so viel leisten musst. Und wenn du nur dann ruhig bist, wenn du beschäftigt bist, bist du wahrscheinlich nicht wirklich ruhig. Ich hoffe, dass ich das so logisch wie möglich erklärt habe.

Und ihr seht anhand meines Beispiels, Perfektion gibt es nicht. Aber sich alleine schon die Frage zu stellen, habe ich wirklich keine Zeit? Oder kann ich es nur nicht aushalten? Ruhe, eine Pause. Wenn ihr euch diese Frage stellt, dann seid ihr schon in der Selbstführung. Ihr seid schon, wenn ihr euch solche Fragen stellt. Bin ich nur dann ruhig, wenn ich beschäftigt bin? Nee, bin ich wahrscheinlich nicht wirklich ruhig. Das sind Fragen, die stellt man sich, wenn man sich selbst führen möchte. Möchte. Wenn ihr merkt, dass euer Kopf sagt, du darfst jetzt auf keinen Fall eine Pause machen und ihr dann begreift, dass das der Moment ist, wo ihr die braucht, seid ihr in der Selbstführung.

Irre, oder? Das heißt nicht, nur weil ihr euch die Frage stellt, zack, beng, puff, alle Probleme weg. Nee, ganz sicher nicht. Aber darauf, auf diesem Fundament könnt ihr bauen. Ihr könnt das auch gerne im Coaching tun bei CoGether. Ihr könnt es aber auch gerne selber tun. Mir ist wichtig, dass ihr etwas bei euch verbessern könnt. Dafür soll diese Folge mal wieder beitragen. Dafür erzähle ich das hier. Und das ist umsonst. Und ich glaube, wenn man meinen Podcast verfolgt, vielleicht braucht man gar kein Coaching, sondern einfach nur Aha-Momente.

Für den heutigen Tag würde ich sagen, wenn mein Kopf sagt, du darfst jetzt keine Pause machen, dann weiß ich, dass ich eine brauche. Das ist vielleicht ein schöner Satz, den ihr mitnehmen könnt. In diesem Sinne. Mein Name ist Sven und meine Damen und Herren, wir hören und sehen uns nächste Woche wieder. Macht’s gut.

Hinweis: Der Podcast teilt persönliche Erfahrungen und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. In einer akuten Krise: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, Notruf 112.