Border Allein Podcast · Folge vom 27. August 2026
Erwartungen = vorausbezahlter Schmerz: Warum 90 % deiner Enttäuschungen hausgemacht sind
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Worum es in der Folge geht
Erwartungen = vorausbezahlter Schmerz.Und vielleicht liegt genau hier der Grund, warum du immer wieder von Menschen enttäuscht wirst – obwohl sie dir möglicherweise nie versprochen haben, das zu tun, was du von ihnen erwartet hast.👉 Mehr über unsere Arbeit, Coaching und Angebote:www.borderallein.deDu gibst dir Mühe. Du bist aufmerksam. Du investierst Zeit, Energie und Gefühle. Du denkst an Dinge, bevor man dich darum bittet.Und irgendwann entsteht ganz unbemerkt eine Erwartung:„Wenn ich das für dich tue, wirst du das doch auch für mich tun.“Aber was passiert, wenn der andere dieses unsichtbare Drehbuch nicht erfüllt?Enttäuschung. Wut. Rückzug. Kränkung.Vielleicht denkst du:„Wenn ich dir wirklich wichtig wäre, hättest du daran gedacht.“„Wenn du mich lieben würdest, müsstest du doch wissen, was ich brauche.“„Nach allem, was ich für dich getan habe, hätte ich wenigstens erwartet, dass …“Genau hier beginnt die Erwartungsfalle.Denn häufig schließen wir in unserem Kopf ungeschriebene Verträge mit anderen Menschen ab, von denen diese Menschen überhaupt nichts wissen.Und anschließend machen wir unsere emotionale Verfassung davon abhängig, ob sie diese Verträge erfüllen.IN DIESER PODCASTFOLGE SPRECHEN WIR DARÜBER:• warum Erwartungen so häufig zu Enttäuschung führen• wie ungeschriebene Verträge in Beziehungen entstehen• warum dein Gegenüber deine Bedürfnisse nicht automatisch kennen kann• weshalb selbst erfüllte Erwartungen nicht unbedingt glücklich machen• warum Erwartungen Freude und echte Dankbarkeit zerstören können• was der Unterschied zwischen einem Wunsch und einer Erwartung ist• warum Selbstführung nichts mit Gleichgültigkeit zu tun hat• wie du Grenzen setzt, ohne das Verhalten anderer kontrollieren zu müssen• warum Erwartungen an dich selbst genauso belastend werden können• und wie du deine „emotionale Fernbedienung“ wieder zu dir zurückholstEin entscheidender Unterschied dabei ist:„Ich erwarte, dass du dich anders verhältst.“ist etwas völlig anderes als:„Ich entscheide, was ich tue, wenn du dich so verhältst.“Im ersten Fall versuchst du, einen anderen Menschen zu kontrollieren.Im zweiten übernimmst du Verantwortung für deinen eigenen Handlungsspielraum.Und genau dort beginnt emotionale Selbstführung.
Transkript der Folge lesen
Automatisch erstellt und leicht bereinigt (Werbehinweise gekürzt). Kleine Hörfehler sind möglich.
Kennst du das Gefühl, du gibst alles und erwartest, dass der andere genauso reagiert, meint oder fühlt wie du? Und dann dieses Gefühl von Leere, Enttäuschung. Aber guck mal, mehr als 90% deiner Enttäuschungen sind hausgemacht. Nicht, weil die anderen böse sind, sondern weil du ihnen ja quasi ein Drehbuch aufgedrängt hast, das sie nie gelesen haben. Wie wir uns aus der Erwartungshaltung befreien, warum eine Enttäuschung eigentlich was Heilsames ist oder sein kann und wie man durch echte Selbstführung diese emotionale Fernbedienung wieder zu sich zurückholt, das besprechen wir in der heutigen Folge.
Und wenn du Lust hast, dann teile und abonniere die Glocke. Egal, wo du die Glocke siehst, Spotify, YouTube, überall auf sämtlichen Kanälen, teile das, abonniere die Glocke. Das hilft uns eine Menge, Menge weiter und dich kostet das einfach nichts. Also bis gleich. Herzlich willkommen zu der neuen Folge Border Allein. Mein Name ist Sven aka Border Allein. Und heute sprechen wir über Erwartungshaltung. Erwartungshaltung selbst gegenüber, Erwartungshaltung aber vor allen Dingen im Außen. Und das ist ein Ding, da stoße ich oftmals auf, ja nicht auf Widerstand, das möchte ich jetzt nicht sagen, aber auf diskussionswürdige Gespräche oder Aussagen.
Die einen sagen, ja man darf aber Erwartungen an andere haben. Ich sag ja, darf man, natürlich und das muss auch jeder für sich selbst wissen. Ich gehe aber her und sage, nee. Jetzt kann man natürlich so, in Anführungszeichen, logische und banale Dinge, kann man natürlich jetzt erklären. So, ich erwarte in einer Beziehung, dass du mir nicht fremd gehst. Ich erwarte, dass du, keine Ahnung, pünktlich zum Mittagessen da bist, whatever. Aber da fangen ja schon die kleinen Erwartungen an. Ich erwarte, dass du pünktlich zum Essen kommst.
Kommt der andere nicht, ist die Enttäuschung groß. Geht der andere fremd, ist die Enttäuschung groß. Natürlich ist die Enttäuschung auch groß, wenn wir nichts erwarten. Wenn solche, ich sag mal, prägnanten und elementaren Dinge passieren. Da brauchen wir überhaupt nicht drüber reden. Aber der Umgang damit ist ein anderer und zwar schon im Vorfeld. Guck mal, ihr müsst eins verstehen. Jedes Mal, wenn ich eine Erwartung an einen anderen Menschen hege, dann setze ich quasi in meinem Kopf jedes Mal sowas wie einen Vertrag auf.
Paragraf 1 heißt dann so viel wie, du musst in Situation XY genauso handeln, wie ich das tun würde. Paragraf 2, und jetzt kommen wir wieder zum nächsten Thema. Du musst meine Bedürfnisse erahnen, ohne dass ich sie ausspreche. Wir Männer kennen dieses Problem. Völlig wertneutral. Paragraf 3 wäre dann, tust du das nicht, dann entziehe ich dir, keine Ahnung, meine Nähe oder ich werde sauer. Das Problem an der Sache ist aber, euer Gegenpart hat diesen Vertrag nie unterschrieben. Der weiß oftmals noch nicht mal, dass dieser Vertrag überhaupt existiert, geschrieben wurde, wie auch immer.
Wir fordern also eine Erfüllung einer Pflicht ein, von der unser Gegenüber oftmals, oftmals keine Ahnung hat. Und dann spreche ich in dem Fall nicht von zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern dann ist es quasi wie so ein Machtkampf mit einem selbst. Und selbst wenn der andere deine Erwartung erfüllt, gewinnt man nicht. Und wenn sie nicht erfüllt ist, gewinnt man genauso wenig. So, weil, wenn die Erwartungen erfüllt werden, dann verspüren wir keine Dankbarkeit oder keine echte Dankbarkeit, sondern eine Erleichterung.
Keine Ahnung, Gott sei Dank, er oder sie hat daran gedacht. Meiner Meinung nach, töten Erwartungen Freude. Wer erwartet, entzieht dem Moment das Geschenk und macht daraus eine Pflichtübung. Du nimmst dem anderen die Chance quasi, dich ehrlich zu überraschen. Und ich weiß nicht, ob ich das schon mal in einer Podcast-Folge erzählt habe, in einer der letzten. Und Überraschungen sind eines der Grundbedürfnisse, die der Mensch tatsächlich braucht. Die braucht der Mensch. Von Überraschungen leben wir. Ich habe das schon mal erwähnt.
Und zwar, so Vater bringt von der Dienstreise immer wieder dasselbe Stofftier mit. Und Oma und Opa bieten tatsächliche Überraschungen. Wer das nicht gehört hat, ein oder zwei Folgen oder drei Folgen in der Retrospektive einfach mal hören. Und guck mal, wir sprechen immer von Enttäuschung. Enttäuschung tun weh. Was heißt Enttäuschung? Enttäuschung. Das ist das Ende einer Täuschung. Die Täuschung war quasi nicht das Verhalten des Anderen, sondern die Täuschung war quasi eine eigene Illusion darüber, wie der Andere doch bitte zu sein hat.
Und eine Enttäuschung reißt einem quasi wie so ein Schleier von den Augen. Die schmerzt nur, weil irgendeine Seifenblase oder deine eigene Seifenblase gerade platzt. Und zack, bringt sie dich zurück in die Realität. Erwartungen zu haben an Andere ist meiner Meinung nach nichts anderes als vorausbezahlter Schmerz. Warum? Warum? Ihr kennt das vielleicht selber. Man schließt Verträge mit sich selbst. Man koppelt sich selber an eine Bedingung, an eine Erwartung. So, ich möchte das und das erreichen. Und oftmals ist man ja schon über sich selbst enttäuscht, wenn man es nicht schafft.
Das allerdings liegt in unserer Hand. Und das können wir quasi bestimmen, solange wir unser Ziel natürlich nicht von anderen abhängig machen, sondern dieses Ziel abhängig von uns ist. Aber was können wir denn voraussetzen, was unser Außen, also unser Partner, Freunde, wer auch immer, was die tun, aufgrund dessen, was wir erwarten? Nichts. Wir können auch nicht erwarten, dass die Zukunft toll wird. Können wir nicht beeinflussen. Aber in der Eigenverantwortung, in der eigenen Erwartungshaltung können wir das zumindest ein Stück weit beeinflussen.
Aber ich habe keine Erwartung an die Zukunft zu haben. Die kann morgen vorbei sein. Vielleicht gleich, wenn ich mit dem Hund spazieren gehe. Vielleicht ist dann meine Erwartung geplatzt, weil ich überfahren werde. Erwartungen an andere oder Erwartungen an das Außen sind nichts anderes als vorausbezahlter Schmerz. Guck mal, Erwartungen an andere zu haben, ist nichts anderes als Erwartungen ans Wetter zu haben. Du kannst dich stundenlang darüber aufregen, dass es regnet. Obwohl, keine Ahnung, ihr oder du ein Grillfest geplant habt.
Dem Regen ist dann aber scheißegal. Du kannst das Wetter nicht kontrollieren. Du kannst nur kontrollieren, ob du einen Regenschirm aufspannst oder die Feier entweder nach drinnen verlegst oder absagst. Und ein Wunsch zum Beispiel lässt dem anderen immer die Freiheit zu sagen, das kann ich nicht. Oder das kann ich nicht. Eine Erwartung hingegen fordert eine Erfüllung ein. Wenn ihr einen Wunsch äußert, hat euer Gegenüber eine Chance, sich eine Platte darüber zu machen, kann ich das, will ich das oder eben nicht. Eine Erwartung bestraft euer Gegenüber bei Nichterfüllung mit eurer Wut.
Und ich erwarte zum Beispiel, dass mein Gegenüber mich respektvoll behandelt. Das ist ein Versuch der Fremdkontrolle. Richtig wäre es ja quasi auch in der Selbstführung, ich ziehe eine Grenze. Wenn man mich respektlos behandelt, gehe ich aus dem Raum oder ziehe meine Konsequenzen. Dann bin ich eigenhandlungsermächtigt. Habe ich aber die Erwartung, dass der andere mich respektvoll behandelt, bewege ich mich nicht in der Selbstführung, dann bewege ich mich in der Fremdführung. Es ist ganz schwer umzusetzen. Es ist natürlich auch, pass auf, es wird von uns schon ganz früh, werden von uns Dinge erwartet.
Schon als Kind. Schon als Kleinkind. Man erwartet, dass du krabbelst, dass du Mama, Papa und Ball sagst. Man erwartet im Kindergarten, erwartet man, dass du, keine Ahnung, nach dem Mittagessen schlafen gehst. Dich fragt da erstmal grundsätzlich keiner, kannst du überhaupt schlafen? Möchtest du überhaupt schlafen? Das ganze Prozedere, so wie wir aufwachsen, ist gekoppelt an Erwartungen uns gegenüber. So und irgendwann gehen wir her und sagen, stoppe mal den Wagen hier. Wenn du hier ständig Erwartungen an mich hast, muss ich diese Erwartungen ja weitergeben.
Dann muss ich ja auch Erwartungen anfangen zu knüpfen. Und man vergisst dabei ganz gerne, glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede. Ich weiß, wovon ich rede. Ich nenne euch ein Beispiel. Ich nenne euch ein Beispiel. Man ist krank, liegt auf der Couch und wie wir ja alle wissen, haben wir ja die Männergrippe. Und wir sind dann ja quasi nicht mehr handlungsfähig. Wir stehen ganz kurz vor dem Exitus, wenn wir nicht schon am Horizont das Licht sehen oder uns auf der grünen Wiese schon befinden. Jedenfalls können wir uns dann in unserer Welt nicht mehr selber helfen.
Wir können auch nicht mehr aufstehen. Wir sterben einen ganz kritischen Tod. Ironie wieder aus. Und dann erzählt er aus, jetzt aus Mannes Sicht, man erzählt das seiner Partnerin und vielleicht wohnt die ein paar Kilometer weit entfernt. Vielleicht ist sie arbeiten, weiß der Geier. Man informiert seine Partnerin darüber, hör mal, ich bin krank, ich kann mir selbst nicht helfen. Die Gründe, warum die Partnerin da nicht kommen kann, sind den Leuten, die dann eine Erwartung haben, scheißegal. Scheißegal. Es zählt immer nur das Ergebnis.
Die hat mich hier im Stich gelassen. Ich hatte die Erwartung, gleich klingelt das. Ich hatte die Erwartung, die lässt jetzt ihre Arbeit liegen. Die lässt alles stehen und liegen und kommt zu mir, weil wir uns ja lieben und weil wir uns ja respektvoll behandeln und immer für den anderen da sein wollen. Ist sie dieser Erwartungshaltung von mir nicht nachgekommen? Was ist der Mensch dann? Enttäuscht. Vielleicht sogar wütend. Traurig. Oder redet sich im schlimmsten Fall sogar ein, oh mein Gott, sie liebt mich nicht mehr.
Jetzt gibt, oh, das gibt es doch alles gar nicht. Moment, Moment. Es ist immer schwierig, wenn das System ankündigt, es schaltet sich gleich ab. Nun ja, egal. Also, oder im schlimmsten Fall, wie gesagt, sie oder er liebt mich nicht mehr. Das sind so die, wie soll ich sagen, Supergäue, der Supergau. Das ist das, wir bewerten die Konsequenz, das Resultat und nehmen es unserem Gegenüber. Egal, warum er nicht konnte, nehmen wir es übel. Weil wir eine verdammte Erwartung hatten. Weil wir davon ausgegangen sind, dass uns ja geholfen wird.
Und guck mal, ich behaupte, also im Fall der Selbstoptimierung, behaupte ich, wer aufhört, andere zu etwas zu drängen, fängt oft an, sich selbst tyrannisch quasi zu überfordern. Und da muss man einfach auch mal hergehen und sagen, immer nicht, ich erwarte von mir perfekt zu sein, sondern vielleicht zu sagen, ich erwarte von mir mein Bestes zu geben, um Haltung zu bewahren, wenn die Dinge schief gehen. Ja, ich habe eine Klientin bei mir, die hat Jahre, wirklich Jahre damit verschwendet, Veränderungen von ihrem Partner wirklich zu erwarten.
Und sie war wirklich erst frei, als sie ihre Prozesse und eigene, wie soll ich sagen, eigene Reaktionen angepasst hat. Und sie hat irgendwann verstanden, du kannst Handeln, Gedanken oder Handlungen, Gedanken, Gefühle, Aussagen anderer Menschen zu 0% kontrollieren. Sie hat irgendwann verstanden, ich habe 100% Kontrolle darüber, wie sie reagiert. Und ich habe das da auch mit diesem Vertrag gemacht und habe ihr dann irgendwann gesagt, befreie die Menschen, also habe ich ihr nicht so wörtlich gesagt, aber es war so der Kontext irgendwann und auch das Resultat, befreie die Menschen in deinem Umfeld von deinen ungeschriebenen Verträgen.
Und du wirst eines spüren, das nimmt dir nicht nur Druck weg, und das ist ein ganz entscheidender Faktor, der jetzt kommt, sondern das gibt dir Freiheit zurück. Freiheit im Kopf, Freiheit, es macht deinen eigenen Druck quasi zunichte. Es macht deinen eigenen Druck zunichte. Und das bedeutet Freiheit. Freiheit bedeutet in dem Fall nicht, ich, keine Ahnung, ich kann jetzt machen, was ich will, weil der andere erwartet ja nichts von mir. Nein, nein, nein, nein, nein. Es gibt immer noch ein Commitment. Es gibt immer noch Absprachen.
Es gibt Moral, es gibt Ethik und, und, und. Aber wenn jemand zum Beispiel mir, wie soll ich sagen, ich sattel, das fährt mal anders auf. Ich sage immer wieder nicht, wir müssen in diese Welt passen, sondern diese Welt muss zu uns passen. Und da weiche ich auch keinen Zentimeter von ab. So. Jetzt habe ich die Erwartung, dass der Mensch, den ich kennenlerne, mit dem ich zusammenlebe, wie auch immer, dass der meinen Erwartungen gerecht wird. Das heißt, er muss ja in meine Welt passen. Ist das korrekt ihm gegenüber? Weil dann würde der Satz, den ich gerade gesagt habe, für ihn ja gar nicht zutreffen.
Also, ich knüpfe keine Erwartungen an ihn. Aber, wenn ich merke, dass der Mensch von seinen Eigenschaften, von seinen Ansichten, von seinem was auch immer, wenn er nicht zu mir passt, dann muss ich doch von mir aus die Verantwortung übernehmen zu sagen, alles klar, das passt an der Stelle eben halt nicht. Und manchmal, ja, manchmal kristallisiert sich das erst später raus. Ich bin ein Freund davon, zum Beispiel, wenn ich jemanden kennenlerne, mich so offen und transparent, wie nur irgendwie möglich, zu präsentieren.
Natürlich gibt es Verhaltensweisen bei anderen Menschen, die lernt man erst später kennen oder die kommen erst später raus. Verschiedene Reaktionen auf Streitsituationen, aber auch auf Fragen, wie siehst du eigentlich diese Welt? Wie sehe ich diese Welt? Wo stehst du politisch? Wo stehe ich politisch? Was weiß ich? Es gibt halt Dinge, die kristallisieren sich erst später raus. Und … … Und dann ist das ein Punkt, wo ich sagen muss, ja gut, dann passt das an der Stelle vielleicht nicht, wenn es elementar ist. Aber ich kann doch nicht erwarten, dass mein Gegenüber sich immer so verhält, dass es mir nicht wehtut.
Tut es mir zu oft weh, muss ich gehen. Dass man Kompromisse schaffen muss, wenn etwas vielleicht nicht stimmig ist. Das ist mir klar. Das ist in Beziehungen so, das ist in Freundschaften so, das ist bei euch auf der Arbeit so, egal wo. Genau wie beim Fußball. Ich spiele ein Fußballspiel und ich muss Kompromisse schaffen. Selbst wenn der eine mich zweimal umgetreten hat, kann ich nicht hergehen und ihm die Stollen ins Gesicht bohren. Geht halt nun mal nicht. Ich kann aber auch nicht beeinflussen, dass er mich zweimal wegtritt.
Kann ich nicht beeinflussen. Aber ich kann danach sagen, keine Ahnung, Schiri, hier zweimal hier, mir fehlt hier gerade das Wadenbein und hier Sprunggelenk ist auch weg. Mach mal was. So ungefähr. Vielleicht ein blödes Beispiel, aber ich glaube, ihr wisst, wie ich meine. Ihr habt nur die hundertprozentige Kontrolle über euch. Erwartet nicht, dass euch jemand hilft. Erwartet nicht, dass euch jemand liebt. Erwartet nicht, dass jemand so reagiert, wie ihr reagieren würdet. Tut der andere das aber dennoch, dass er so reagiert, wie es für euch fein ist, dann seid ihr sehr oft überrascht.
Und Überraschung, wie gesagt, ist etwas, das steht in unserer Wied, in unserem Stellenwert, ganz, ganz oben. Ich freue mich doch viel, viel ehrlicher, wenn mich der andere überrascht. Mit Handlungen, Aussagen, wie auch immer, wo ich denke so, wow, hätte ich nicht mit gerechnet. Respekt, Respekt, geil, freue ich mich drüber. Und umso mehr ich mich über den anderen freue, weil er mich immer wieder überrascht und umso mehr passt er in mein Leben. Im besten Falle, das ist ja keine Einbahnstraße, Leute, im besten Falle passe ich natürlich auch in sein Leben.
Endet aber dann, wenn er Erwartungen an mich hat. Wenn wir das ganze Spiel jetzt mal umdrehen, endet das für mich. Genauso. Weißt du, was erwartet? Ich soll so und so reagieren, das ist gegen meine Natur. Das steht nicht in meiner DNA geschrieben. In dem Fall muss ich ja deinen Vertrag erfüllen und ich kenne deinen Vertrag nicht und ich möchte gar keinen Vertrag. Ich möchte, dass wir hier handschlagmäßig, dass wir uns hier einigen und dann ist alles schön. Ich unterschreibe deinen Vertrag nicht, weil wenn ich ihn unterschreiben würde, müsste ich mich an dich binden mit Dingen, die ich vielleicht gar nicht einhalten kann.
Also machen wir hier einen Handschlag und einigen uns darauf, dass wir beide gut zu uns passen. Und sollte das nicht der Fall sein, dann müssen wir den Verein wechseln, um da jetzt mal beim Fußball zu bleiben. Ich trinke heute übrigens das erste Mal, ich habe vergessen Milch zu kaufen und ich habe keinen Bock loszuziehen, schwarzen Kaffee. Und ich muss sagen, doch, doch, das geht eigentlich. Naja gut, mir ist die Folge deswegen so wichtig, weil das ganz viel mit Selbstoptimierung zu tun hat. Ganz viel und auch mit Selbstführung, ganz viel.
Und ich kann euch das aus eigener, wirklich aus eigener Erfahrung, kann ich euch das sagen. Ich war derjenige, der auf der Couch gelegen hat. Ich habe schon die Engel singen hören, weil ich, keine Ahnung, 38,3 Grad Fieber hatte und zweimal laut gerustet hatte. Und gedacht habe, ich brauche doch jetzt Hilfe. Ich brauche dich doch jetzt. Und keiner kam, weil der andere nicht konnte. Wirklich nicht konnte. Aber ich so enttäuscht war, dass ich gedacht habe, alles klar. Du hilfst mir nicht, dann willst du mich nicht. Jetzt macht euch mal selber kurz Gedanken darüber, wie sehr einen das blockiert.
Und abgesehen davon, dass ich Schuld im Außen suche, schließt sich immer wieder ein Kreis. Es geht immer wieder ums Außen. Es geht immer wieder um andere Personen. Ich kann nicht ändern, dass mein Chef gute oder schlechte Laune hat. Und wenn er meint, er müsste rumschreien oder rummotzen, wie so ein roher Spatz, das kann man sich eine Zeit lang anhören. Und wenn man das nicht mehr möchte, weil er irgendwie cholerisch ist oder was, hat man zwei Optionen, man bleibt oder man geht. Oder die dritte Option ist, man hau die Meiner rein.
Geht dann aber trotzdem. Und auch das sage ich euch aus eigener Erfahrung. Deswegen, versucht, einen Teil dieser Folge irgendwie mitzunehmen. Schafft die Verträge ab. Schafft diese Bürokratie ab. Und macht euch frei davon, dass andere so handeln würden, wie ihr es würdet. Ohne euch dabei zu verlieren. Ich bleibe trotzdem loyal. Sag ich jetzt mal. Und nur, weil irgendwer in meinem Leben mir gegenüber nicht loyal war. Ja, dann war ich es ihm vielleicht nicht wert. Aus welchen Gründen auch immer. Dann mache ich mir da gar keine Platte drüber.
Ich suche auch keine Antworten auf Fragen, die ich nicht authentisch oder echt beantwortet bekomme. Aber ich suche da keine Antworten drauf. Weil dann hätte ich ja wieder, wenn ich eine Frage stelle, warum hast du das gemacht, dann hätte ich wieder eine Erwartung, dass der andere mir die Wahrheit sagt. Und was passiert als nächstes? Es tut weh. Entweder belogen zu werden oder zu sehen, wie es da jemand windet. Wie auch immer. Also habt keine Erwartungen. Ihr handelt, wie ihr handelt. Und das tut ihr aus Überzeugung.
Das ist gut so. Das ist gut so. Und so Gott will, gibt es ganz viele Menschen in eurem Leben, die zu euch passen. Und umgekehrt. Ist es nicht so, dann ist das so. Dann ist das einfach so. Was soll ich euch sagen? Dann ist das einfach so. Tauscht den inneren Kritiker gegen einen inneren Mentor. Und ihr kommt eine ganze Ecke weiter. Nochmal, Erwartungen. Ich wiederhole den Satz nochmal gerne. Erwartungen an andere sind nichts anderes als vorausbezahlter Schmerz. Und den braucht kein Mensch in diesem Sinne. Mein Name ist Sven, a.
k. a. Border Allein. Und wir sehen uns und hören uns nächste Woche wieder. Bis dahin. Macht’s gut. Aber erwartet nicht, dass eine neue Folge kommt. Ihr werdet sonst enttäuscht. Oder? Bis nächste Woche.
Hinweis: Der Podcast teilt persönliche Erfahrungen und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. In einer akuten Krise: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, Notruf 112.