Border Allein Podcast · Folge vom 03. September 2026

People Pleasing: Warum Dein Ja oft nur ein Reflex ist DEIN JA IST EIN REFLEX.

36 Min.SvenSelbstführung

Podcast-Cover Border Allein

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Worum es in der Folge geht

Du sagst „Ja“.

Und noch bevor das Wort richtig ausgesprochen ist, weißt Du eigentlich schon:

Ich wollte gerade Nein sagen.

Vielleicht kennst Du diesen Moment.

Du bist müde. Leer. Eigentlich längst über Deiner Grenze.

Dann kommt eine Nachricht, eine Bitte, eine Erwartung – und noch bevor Du überhaupt nachdenken kannst, hörst Du Dich sagen:

„Klar. Kein Problem. Mach ich.“

Und hinterher bist Du nicht einmal unbedingt sauer auf den anderen.

Du bist sauer auf Dich.

Weil Du schon wieder nicht bei Dir geblieben bist.

In dieser Folge öffnen wir genau dafür eine Akte:

DIE AKTE „JA-SAGEN“.

Denn People Pleasing ist nicht einfach „zu nett sein“.

Hinter dem automatischen Ja kann etwas viel Älteres liegen:

die Erfahrung, dass Anpassung einmal Sicherheit bedeutet hat.

Dass Frieden wichtiger war als die eigene Grenze.

Dass ein Nein sich nicht nur wie Ablehnung anfühlt – sondern manchmal wie das Risiko, einen Menschen zu verlieren.

Aber wir bleiben nicht beim Verstehen.

In dieser Folge machen wir etwas gemeinsam.

Ich führe Dich durch eine intensive, ruhige Übung, mit der Du den einen Zeugen findest, der bei jedem Deiner automatischen Ja dabei war:

Deinen Körper.

Die Enge.

Den Kloß im Hals.

Das Absacken im Bauch.

Den angehaltenen Atem.

Dieses kleine Signal, das oft schon da ist, bevor Dein Kopf überhaupt verstanden hat, was gerade passiert.

Und vielleicht wird genau dieses Signal ab heute nicht mehr Dein Gegner.

Sondern Dein Frühwarnsystem.

Nicht mit dem Ziel, dass Du plötzlich zu allem Nein sagst.

Sondern damit Dein Ja wieder etwas wert ist.

Weil es wirklich von Dir kommt.

In dieser Folge erfährst Du unter anderem:

• warum Dein Ja manchmal schneller ist als Dein bewusster Verstand

• was Anpassung mit Schutz und Sicherheit zu tun haben kann

• warum Grenzen nichts mit Kälte zu tun haben

• wie Du Dein persönliches körperliches Frühwarnsignal erkennst

• wie Du zwischen Impuls und Antwort wieder einen kleinen Moment Wahlfreiheit bekommst

• und warum Selbstführung nicht bedeutet, härter zu werden – sondern klarer

Nimm Dir für die zweite Hälfte der Folge möglichst einen ruhigen Moment.

Kein Multitasking.

Kein „ich höre das nebenbei“.

Nur Du.

Und ein ehrlicher Blick auf einen Mechanismus, der Dich vielleicht schon sehr lange begleitet.

Wichtig:

Diese Folge und die enthaltene Übung ersetzen keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung. Du bestimmst jederzeit selbst, wie weit Du gehst, und kannst die Übung jederzeit unterbrechen.

Wenn Du danach merkst, dass Du Deine eigene „Akte“ nicht nur verstehen, sondern tiefer anschauen möchtest, findest Du den nächsten Schritt in den Shownotes.

Deine Geschichte beginnt hier.

Border Allein – Von Borderline zur Skyline

Transkript der Folge lesen

Automatisch erstellt und leicht bereinigt (Werbehinweise gekürzt). Kleine Hörfehler sind möglich.

Denk mal kurz an das letzte Mal, an dem du Ja gesagt hast und im selben Moment, ganz tief drin, ein leises Nein gespürt hast. Vielleicht war es gestern, vielleicht vor einer Stunde, du hast, klar, mach ich, gesagt und irgendwas in dir hat sich mächtig zusammengezogen. Heute machen wir dieses Ja zu einem Fall. Wir eröffnen eine Akte und wir befragen einen Zeugen, den in deinem ganzen Leben noch nie jemand in den Zeugenstand gerufen hat, obwohl er bei jedem einzelnen dieser Momente dabei war. Das hier ist keine Folge, die dich härter machen soll, sondern klarer sehen uns jetzt.

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Borda Allein. Die Akte Ja. Ich setze mich mal tiefer. Die Akte Ja. Erstmal Willkommen in meinem Brutkasten hier. Es ist unfassbar heiß in dem Studio. Ja, wie auch immer. Es ist, wie es ist. Scheppe Arsch. Gebe Scheppe Schiss. Habe ich mal gehört. Ah, so. Die Akte Ja sagen. Und vielleicht Nein meinen. Ich versuche das heute mal mit euch so ein bisschen zu beleuchten. Jetzt stellt euch mal vor, es ist Abend. Ihr seid… Nee, komm, wir machen das Persönliche heute. Stell dir vor, es ist Abend.

Du bist leer. Nicht müde, sondern wirklich leer. Der Akku steht quasi auf Rot. Und du willst nur noch deine Ruhe. Und dann kommt irgendeine Nachricht. Irgendein Mensch, der dir wichtig ist, fragt dich und bittet dich um etwas. Jetzt nichts Dramatisches. Nur um eine Kleinigkeit. Um quasi die letzte Sache dieses Tages. Und bevor du überhaupt ans Nachdenken kommst, sagst du, klar, kein Ding, mach ich. Und genau in der Sekunde, wo du das gesagt hast, ist da dieses Gefühl, dieses, wie soll ich es nennen, Absacken. Als hättest du gerade irgendeine Rechnung unterschrieben, quasi Blanko, ohne den Betrag zu kennen.

Ein Blankoscheck. Wir reden heute nicht über Menschen, die nicht Nein sagen können. Ich will auch damit eigentlich nur, was soll ich sagen, anders, pass auf, anders. Ihr sagt nicht Nein, weil ihr zu nett seid. Du sagst nicht Nein, weil du zu nett bist. Lass uns heute mal wirklich über etwas viel Ehrlicheres sprechen. Bei den meisten von uns sitzt ja unter dem Ja keine Faulheit. Da sitzt eine Angst. Was ist das heiß? Und für Menschen, die so intensiv fühlen, wie du und auch wie ich, hat diese Angst oftmals einen ziemlich alten Namen.

Die Angst, es könnte jemand gehen. Die Angst, es könnte mich jemand verlassen. Die Angst, es könnte jemand schlecht über mich denken. Wenn ich nicht abliefer. Wir alle kennen das beste Beispiel. Kannst du mir beim Umzug helfen? Ich weiß nicht, wie oft ich schon Ja gesagt habe in meinem Leben. Ja, klar, kein Ding. Mach ich. Das war montags. Dienstags, was weiß ich. Und als ich dieses Ja ausgesprochen habe, hat mich das schon Energie gekostet. Es hat mich in dem Moment, ich war noch gar nicht beim Umzug, schon Kraft gekostet.

Mich schon genervt, also mich nerven gekostet, weil ich wusste, ich sage etwas zu, wissentlich, dass ich nicht in der Lage bin, das gerade eigentlich einzuhalten. Und dann habt ihr auch, wie soll ich sagen, oder ich, ich habe nicht das Recht, du hast nicht das Recht, im Anschluss, wenn man es denn gemacht hat, dann sauer auf diese Person zu sein, die mich gefragt hat. Nee, ich habe gelernt, dann sauer auf mich zu werden. Aus dem ganz einfachen Grund, weil ich nicht bei mir geblieben bin, weil ich nicht bei mir geblieben bin, weil ich nicht sagen konnte, du, das kann ich.

Oder, ich möchte nicht. Ich will jetzt nicht so weit gehen, dass ich sage, oder ey, du bist es mir gar nicht wert, dass ich dir helfe. Warum auch immer. Darum geht es mir nicht, sondern es geht einfach darum, man ist aus welchen Gründen auch immer nicht, bei sich geblieben. Und ich will auch jetzt nicht mit dieser Folge hier, dass du oder ihr oder wer auch immer, jetzt zur Nein-sagenden Maschine werdet wirst. Der Ziel ist nicht, kälter oder abweisender zu werden, ganz im Gegenteil. Das steht überhaupt nicht zur Debatte, sondern das Ziel ist Selbstführung.

Selbstverantwortung. Das Ziel für mich ist, dass du dich selber wählst. Warum mache ich eigentlich heute, das große Wort, was hier drüber prangt, ist ja People-Pleasing. Warum mache ich die Folge heute überhaupt? Weil ich natürlich, ich habe momentan andersrum, ich habe momentan Input für, ich habe keine Ahnung, wahrscheinlich zehn Folgen. Zehn verschiedene Folgen und ich muss mich jetzt so ein bisschen quasi an ein logisches Skript halten, dass ich nicht meinen ganzen Podcast komplett durcheinander werfe. Ich habe so viele Ideen zum Podcast, aber das heute soll um das.

Die Ja-Akte ist ja nichts anderes als People-Pleasing. Und natürlich hatte ich da eine Inspiration für. Und natürlich ist das natürlich ein Thema, was ich immer wieder in meinen Coachings quasi gezeigt bekomme, erzählt bekomme, wie auch immer. Also das Ziel ist nicht, dass ihr notorische Neinsager werdet. Bullshit. Das Ziel ist, wie gesagt, Selbstführung, Selbstverantwortung. Dass du quasi, was habe ich gesagt, dich wieder wählst. Statt, also dich wählen statt einem alten Autopiloten, der irgendwann vor, weiß ich nicht wie viele Jahren, die Kontrolle übernommen hat.

Und manche deiner Ja’s, die bleiben auch. Aber die werden dann echt. Die kommen dann von dir und ganz wichtig, nicht aus deiner Angst. Und dafür machen wir jetzt gleich mal, ich habe mir was überlegt, und dafür machen wir gleich etwas, was du vielleicht in dieser Form noch nicht gemacht hast. Aber zuerst einmal will ich, dass du verstehst, warum dein Ja-Sagen schneller ist als dein Kopf. Warum das quasi wie aus der Pistole geschossen kommt, dass du Ja sagst. Also grundsätzlich, grundsätzlich gibt es eine Gedankenkette.

Wissten die meisten wahrscheinlich jetzt schon. Ich will diese Gedankenkette aber jetzt ein bisschen umformulieren. Und will euch da auch so ein bisschen Einblick ins Coaching geben. Sehr gerne sogar. Dein Ja sagen ist keine Entscheidung. Das ist ein Reflex. Das ist der erste miese Punkt. Dein Ja sagen ist keine Entscheidung. Es ist ein Reflex. Der feuert quasi, bevor dein Verstand überhaupt hier mit am Tisch sitzt. Das heißt nicht, dass das eine Schwäche ist, um Gottes Willen. Das hat was mit Training zu tun. Mit langwierigem, intensiven Training.

Aber irgendwann war in deinem Leben lieb sein, sich anpassen, keinen Ärger machen die klügste und verfügbarste Strategie, die du für dich entwickeln konntest. Irgendwann in deinem Leben gab es, wahrscheinlich wiederkehrend, sich wiederholend, dieses lieb sein. Ich muss mich anpassen. Ich darf keinen Ärger machen. Ich muss funktionieren. Das war einfach die klügste und die einfachst verfügbare Strategie, die du für dich wählen konntest. Und der nächste Punkt ist dann quasi, logischerweise irgendwie, also für mein Dafürhalten, die Angst darunter ist bei uns gar nicht der Konflikt.

Das ist nicht die Angst, die hat 0,0 mit dem Konflikt mit einer anderen Person zu tun, sondern es ist einzig und allein die Angst vor Ablehnung, die Angst vor Verlassen werden. Wenn Nähe sich irgendwann mal lebensnotwendig angefühlt hat, dann fühlt sich ein Nein nicht an wie, ich setze eine Grenze, sondern es fühlt sich an wie, ich riskiere jetzt mit einem Nein, dass diese Person geht, dass diese Person mich verlässt, dass diese Person nicht gut über mich denkt. Und deshalb sagst du ja, obwohl dein ganzer Körper schreit, Alter, mach nicht, mach nicht, guck mal, es gibt Stressreaktionen, über die ganz selten irgendwie nur gesprochen wird.

Jedenfalls kommt es mir nicht oft unter. Kampf, also in Stresssituationen oder Stressreaktionen, geht man entweder in den Kampf, in die Flucht oder man erstarrt. Das habe ich aus dem Kampfsport, lieben Dank Tobi, das habe ich aus dem Kampfsport. Da habe ich das das erste Mal damals gehört. Es kommt ein Gegner auf euch zu, es ist eine Stress, der Körper kommt in eine Stressreaktion. Entweder erstarre ich, ich kämpfe oder ich verpisse mich. Aber es gibt eine vierte. Und die hat kaum jemand auf dem Schirm, auch im Kampfsport nicht.

Im Englischen heißt es Fawn. Beschwichtigen. Sich anpassen. Fawn. Und dieses People Pleasing ist für viele genau das. Es ist keine Charakterschwäche, es ist keine Schwäche in sich. Es ist ein Schutzprogramm, das irgendwann einmal einen Sinn ergeben hat. Kampf, Flucht, Erstarren, das kennt jeder. Vielleicht. Stressreaktionen. Aber sich anpassen, sich fahnen, sage ich jetzt mal, ohne zu wissen, ob es das Wort gibt, das hat keiner am Schirm. Niemand. Also ich höre es, ich habe es, so ist es mir noch nicht untergekommen.

Wie gesagt, da ich aber auch glücklicherweise sehr viel aus meiner aktiven sportlichen Zeit noch mitnehmen durfte. Ja, macht das für mich einfach nur einen Sinn. So. Und der Teil, der Teil in dir, der Ja sagt, der ist auch nicht kaputt. Der ist nicht irgendwie fehlgeleitet. Der ist nicht irrsinnig, sondern der ist loyal. Er macht seit Jahren denselben Job. Halt den Frieden, dann bleibst du sicher. Ganz einfach. Halt den Frieden, dann bleibst du sicher. Oder halte ich den Frieden, dann bin ich sicher. Und das Problem ist, ist gar nicht der Teil, halt den Frieden, dann bleibst du sicher, sondern das Problem ist, dass man mit einer Landkarte von damals, heutzutage quasi durch die Kante läuft.

Was kostet uns das? Jedes, jedes fremdbestimmte Ja ist ein leises Nein in eure Richtung. Ist ein leises Nein zu dir. Zu deiner Zeit, deiner Ruhe, deiner Gesundheit und die Wut oder der Groll, der entsteht, richtet sich dann am Ende nach innen. Der ganze Grund, warum du das überhaupt kannst, du fühlst zu viel, du spürst jede Stimmung im Raum, bevor überhaupt irgendein Wort fällt, bevor der andere vielleicht sogar den Raum betreten hat. Und das ist ja kein Defizit, um Gottes Willen, das ist ja ein Pluspunkt. Aber, das ist auch der beste Zeuge der Welt.

Die meisten Menschen müssen sich ja ihre Körpersignale erst wirklich mühsam suchen. Du hast die laut und deutlich. Laut und deutlich. Du hast die nur, kommen wir wieder zur Akte Ja, noch nie in den Zeugenstand gerufen. Und genau das versuchen wir jetzt mal. Wir versuchen jetzt mal, etwas in den Zeugenstand zu rufen. Und das würde ich, ich hoffe, das kommt an. Wenn nicht, lasst das. Ansonsten macht es gerne mit. Wir machen gleich mal eine Übung. Aber vorher eben kurz drei Dinge, die mir da echt wichtig sind. Und das hier soll jetzt, das kommt nicht aus der Therapie heraus.

Und das ist hier auch kein Wunder oder irgendwie sowas. Das ist einfach nur von mir jetzt ein ganz ruhiger Blick nach innen. Zweitens, du bleibst die ganze Zeit oder ihr bleibt natürlich die ganze Zeit die Person an eurem Steuer. Du kannst jederzeit die Augen öffnen, aussteigen, weiter atmen oder sagen, der Typ da, der sitzt, der hat es eh nicht alle. Und das Dritte ist, wir nutzen auch jetzt ganz, oder ich nehme jetzt keine bewusst schwere Geschichte, wo ich jetzt irgendwie eine Triggerwarnung, auch das mache ich sowieso nicht, aussprechen sollte.

Also wir nehmen so ein ganzes, ganz kleines, ein ganz kleines, nennen wir es Alltagsjahr, das sollte dann auch irgendwie ausreichen, ja. Also, und wenn du jetzt gerade unterwegs bist oder, also wenn du jetzt im Auto sitzen solltest und das hier hören solltest, ne, dann bitte nicht die Augen zumachen, okay, wir können uns darauf einigen, dann hör die Passage entweder später, nochmal oder whatever. Aber, entschuldigen Sie, Sie haben drei Autos mitgenommen, ja, ich soll die Augen zumachen. Also, ne, und wenn du Bock hast und deine Augen schließen kannst, dann kannst du gerne mitkommen, okay.

Also bitte nochmal, nochmal, wenn ihr jetzt in irgendeiner Situation seid, wo man die Augen besser nicht zumachen sollte, dann lass sie bitte auf, okay. Okay, also, der erste Schritt ist, ankommen. Setz dich einfach mal bequem hin, beide Füße auf den Boden, wenn es sich okay anfühlt, dann schließ einfach mal die Augen. Und wenn nicht, dann such dir irgendwo einen fixen Punkt, den du dir anschauen kannst. Auf den du dich konzentrieren kannst. Dann mach mal einen Atemzug. Tief ein und langsam wieder aus. Bevor wir den Fall aufrollen, brauchen wir zwei Vergleichswerte.

Wir bringen deinem Körper zwei Wörter bei. Ja und sein Nein. Also sein Ja und sein Nein. Denk zuerst an etwas, das ein klares, leichtes Ja in dir ist. Etwas, das du liebst. Ein Mensch, ein Ort, ein Lieblingsessen, ein Lied. Und jetzt spür mal nach. Wo im Körper meldet sich dieses Ja? Ja, Brust, Bauch, Schultern. Wird es weit, warm und leicht? Dann merkt dir das Gefühl. Das ist dein Ja-Signal. Jetzt das genaue Gegenteil. Irgendwas Kleines, Harmloses. Etwas, das du einfach nicht magst. Ein Geräusch, ein Geruch, Wörter.

Irgendeine lästige Pflicht. Und jetzt wieder. Wo sitzt das im Körper? Wird was eng oder schwer? Zieht sich irgendwas zusammen? Das ist dein Nein-Signal. Zwei Wörter. Dein Körper hat gerade angefangen, mit dir zu sprechen. Und jetzt eröffnen wir den Fall. Hol dir einen Moment zurück, in dem du kürzlich Ja gesagt hast. Obwohl du Nein gefühlt hast. Irgendwas Kleines. Der letzte gefallen, das letzte, komm ist okay, was gar nicht okay war. Und dann spielen wir die Szene jetzt zurück, wie auf einer Überwachungsaufnahme. Ganz langsam.

Wer war da? Was wurde gesagt? Und dann gehen wir an den Punkt, kurz bevor dein Ja kam. Und jetzt kommt das Entscheidende. Spul mal zurück in eine halbe Sekunde, bevor das Wort Ja deinen Mund quasi verlassen hat. Achte nicht auf die Worte. Oder nicht auf den Körper. Beziehungsweise achte auf den Körper, Entschuldigung. Achte auf den Körper. Was ist da passiert? Ein Zusammenziehen? Hast du den Atem angehalten? Absacken im Bauch vielleicht? Eine Enge im Hals? Vielleicht sogar eine Art Hitze? Und das, genau das, ist dein Kronzeuge.

Ein Zeuge, der immer vor Ort war und den nie jemand befragt hat. Das Signal, das jedes deiner automatischsten Ja’s ankündigt, bevor dein Kopf überhaupt mitbekommt, was da eigentlich passiert. Und jetzt gib ihm einen Namen. Hast du? Ganz schlicht. Keine Ahnung. Die Enge, der Kloß, das Absacken, die Hitze oder deinen eigenen Namen. Sprich den innerlich aus. Denn alles das, was einen Namen hat, kannst du beim nächsten Mal erkennen. Und zwar in dem Moment, in dem es passiert. Und jetzt kommt der Teil, mit dem wirst du sicherlich nicht rechnen.

Wir bekämpfen das Signal nicht. Wir drücken es auch nicht weg. Und wenn du magst, kannst du jetzt mal deine Hand auf eine Stelle legen, wo dein Kronzeuge gerade sitzt. Und dann, so seltsam und bekloppt sich das jetzt anhört, bedank dich bei ihm. Denn dieses Signal war nie dein Feind. Das ist der Teil von dir, der dich seit Jahren beschützt. Der einzige Trick, den er als Kind gelernt hat, war, sei lieb, dann bleibst du sicher. Er hat dich damals und auch damit durch eine Menge getragen. Kannst du ihm ruhig innerlich den Satz sagen.

Danke, ich habe dich gehört. Ab jetzt entscheiden wir gemeinsam. Das ist quasi alles, was du brauchst. Ab heute ist dieses Signal kein Befehl mehr, Ja zu sagen, sondern es ist wie eine Türklingel. Es sagt nur, Achtung, gleich kommt der Autopilot, ein Atemzug bevor du antwortest. Dieser eine Atemzug ist die ganze Freiheit. In der Sekunde, in der du zwischen Signal und Antwort einen Atemzug legst, hast du sie wieder. Aber du hast die Wahl. Atem ruhig nochmal tief ein und aus, ganz langsam, wie ein Seufzer. Beweg mal deine Finger, deine Füße.

Und wenn du bereit bist, dann öffne mal deine Augen. Willkommen zurück. Für alle die, die sich darauf jetzt nicht einlassen konnten, hört euch den Teil gerne nochmal an. Versuch das ruhig ein paar Mal. Es ist im ersten Versuch, fühlt es sich komisch an, fühlt es sich vor allen Dingen falsch an. Und nochmal, das ist hier nichts, das machst du nicht in einem Tag. Das ist Training. Das ist Training. Aber was ist gerade passiert? Wir haben dir quasi ein, oder wir haben versucht, dir ein persönliches Frühwarnsystem zu bauen.

Dein, dein, wie soll ich es nennen, Kronzeugensignal ist ab sofort deine Türklingel. Ding Dong. Und wir haben eine künstliche Lücke geschaffen. Ich melde mich in einer Stunde. Das ist kein Ausweichen. Wenn ich die Frage gestellt bekomme, kannst du? Dann ist dieses, ich melde mich später, kein Ausweichen. Das ist die Kontaktzeit, die ihr euch selbst gebt. In dem Moment holst du dir den, den, den, den… Zugang zu deinem echten Ja, zu dem Ja, was du eigentlich sagen willst, zurück, bevor dein automatisierter Autopilot antworten kann.

Ich weiß nicht, wer von euch den Satz kennt oder die Aussage, Nein, ist ein ganzer Satz. Ein Nein braucht keinen Aufsatz. Freundlich, klar, kurz, lange Rechtfertigung, sagen grundsätzlich, unbewusst, entschuldige bitte, dass ich überhaupt einen Willen habe. Du sprichst aber hier mit jemandem auf Augenhöhe. Du sprichst nicht von unten. Also, ein Nein ist ein ganzer Satz. Ich muss daraus keine Rechtfertigung machen. Ich muss daraus keinen Aufsatz schreiben. Und ich brauche mich auch nicht dafür zu entschuldigen, dass ich einen Willen habe.

Sondern wenn überhaupt, sind wir beide auf Augenhöhe. Es geht nicht darum, nochmal. Es geht nicht darum, weniger zu geben. Sondern bewusst zu wählen, wem und wann ich etwas gebe. Quasi hin zu Beziehungen, in denen dein Ja etwas wert ist, weil auch dein Nein dort möglich ist. Es ist schwierig, das weiß ich, so schwierig umzusetzen, vielleicht auch schwierig, mir heute zu folgen. Das ist auch kein typischer Coaching-Einsatz, aber ein sehr guter Ansatz. Und heute, das war heute quasi das Signal von einem Ja, das wir gefunden haben.

Aber dieses Signal zeigt auf etwas viel, viel Älteres, auf die Szene, in der du in deinem System zum allerersten Mal gelernt hast. Wenn ich mich anpasse, bin ich sicher. Und das ist deine eigentliche Akte. Das ist deine eigentliche Akte. Das knackt man auch hier nicht in irgendeiner Podcast-Folge. Und das muss man auch nicht alleine tun. Das sind die Momente, wo auch meine Arbeit anfängt und so weiter und so fort. Nicht das eine Ja von heute, sondern das Muster an der Wurzel zu packen. Damit man nicht bei jedem Signal kämpfen muss, sondern irgendwann einfach anders reagiert.

Sagen wir es mal so. Darum geht es mir aber gar nicht. Sondern es geht mir darum, dass du für dich einfach mal erkennst, was macht mich eigentlich zum People-Pleaser. Es gibt 8 Milliarden verschiedene Szenarien. Und es hat was mit Verantwortung zu tun, mit Verantwortung für sich zu übernehmen. Weil ich konnte früher keine Verantwortung übernehmen. Und es ging nicht. Als Kind geht das nicht. Aber jetzt habe ich eine Verantwortung, die kann ich übernehmen. Und heute war die Verantwortung nur eine ganz kleine. Eine ganz kleine.

Und vielleicht, wenn du Bock hast, wenn du Bock hast, gebe ich dir noch was mit am Weg. Pass auf. Wenn wir jetzt von Aufgabe sprechen, dann ist es einfach nur ein gut gemeinter Rat oder eine Möglichkeit. Eine ganz, ganz kleine Möglichkeit. Und zwar. Ein einziges Mal, wenn dein Kronzeuge klingelt, nimmst du einen Atemzug, bevor du antwortest. Mehr nicht. Das heißt also, übersetzt, du wirst etwas gefragt. Und bevor du antwortest, nimmst du diesen tiefen Atemzug. Mehr nicht. Damit beginnt alles. Tatsächlich. Damit fängt alles an.

Und lass dir dann einfach mal das, was wir heute gemacht haben. Mal so dir in den Kopf gehen. Sollte es eine Frage sein, die einer wirklichen Überlegung obliegt, oder wo die wirkliche Überlegung auch stattfinden muss, nehmt euch, statt dem tiefen Atemzug, den nehmt ihr euch trotzdem. Aber dann hängt bitte noch ein, ich sage dir in einer Stunde oder morgen Bescheid. Versucht, den Autopiloten zu stoppen. Ja, mach ich. Nein. Erstmal tief atmen. Wieder ausatmen. Und dann antworten wir. Mehr erstmal nicht. Das ist, wie gesagt, das ist der Anfang von allem.

Ja. Und wenn du magst, schreib mir, wie sich dein Kronzeuge angefühlt hat, an coaching-at-border-allein. de. Ich lese mir das auch wirklich durch. Und wenn du Bock hast, teile diese Folge mit irgendeinem Menschen, von dem du weißt, dass er sich die gerade anhören sollte. Hinterlasst überall, wo ihr könnt. Die Klingel abonniert überall. Für euch. Euch kostet das nichts. Mir hilft das halt extrem weiter. Und als abschließenden Satz sage ich euch, deine Geschichte beginnt hier. Jetzt. So. Mein Name ist Sven, a. k. a. Border-A-Line.

Ach. Ja doch. Mein Name ist Sven. Alter, die Hitze. Ich hoffe, ich habe auch nicht zu viel durcheinander gequatscht. Und ich hoffe, das war alles nachvollziehbar. Also. Mein Name ist Sven, a. k. a. Border-A-Line. Und ich bin raus. Bis nächste Woche. Und tschüss.

Hinweis: Der Podcast teilt persönliche Erfahrungen und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. In einer akuten Krise: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, Notruf 112.